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Foto Kamera

 

Fotografie und Bewusstsein

Einwirkung des Mediums Fotografie auf die menschliche Erfahrungsstruktur.

Untersuchung zum Thema Fotografie und Bewusstsein. Antworten auf die Frage wie das Medium Fotografie auf die menschliche Erfahrungsstruktur wirkt und den gesellschaftlichen Umgang mit Fotografie verndert. Die Arbeit hat zum Ziel, das brachliegende Erfahrungspotential der Fotografie der Gelegenheitsknipser zu entschlsseln. Inhaltlich bezieht sich die Arbeit auf die Zeit vor dem massenhaften Gebrauch von Digitalkameras und der Photosharing-Portale. Eine weitere Betrachtung zur mglichen Vernderung der Einwirkungen der Fotografie auf das menschliche Bewusstein mit Bercksichtigung der WEB 2.0 Portale zur Fotografie ist in Vorbereitung.


1. Einleitung

Millionen besitzen eine Kamera, der Aussto von Fotografien erreicht die Milliardengrenze. Fotografieren ist ein gesellschaftlich enorm verbreiteter Ritus, der aber in den seltensten Fllen zu einer emanzipatorischen Nutzung, i.S. von Problematisierung von Wirklichkeit, fhrt. Der alltgliche uniforme Bildaussto beweist dies. Die Produktion von Fotos bewegt sich innerhalb von Klischees und Stereotypen, die durchweg seit der Popularisierung der Fotografie gleich geblieben sind (Urlaubsfotos, Familienfotos).

Weder die weitgespannten formal-technischen, noch die inhaltlich-sthetischen Mglichkeiten der Fotografie werden genutzt. Die Bilder der Amateure ersticken in dem krampfhaften Versuch, die Realitt so real wie mglich zu erfassen.

Geht man von der Quantitt der Bildproduktion der Amateure aus, knnte man vermuten, da Ihre Produkte das gesellschaftliche Bewutsein ber Fotografie bestimmen mten. Tatschlich verschwindet die Produktion der Amateure unter einem unsichtbaren Berg belangloser Knipsbilder.

An der Amateurfotografie kann man sichdarber klar werden, wie eine massenhaft ausgebte Ttigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhngigkeit gehalten und zur Belanglosigkeit gestutzt wird.

Weitaus relevanter fr das Bewutsein ber die Verwendung von Fotografie in unserer Gesellschaft ist die Fotoproduktion der Bewutseinsindustrie, die auf der einen Seite durch die Eindruckskonkurrenz der Fotoindustrie die Fotomaterialien, verknpft mit Gebrauchsanweisung zur Verwendung des Mediums, auf den Markt wirft und auf der anderen Seite durch die Massenmedien den inhaltlichen Gebrauch des Mediums durch Vermittlung von Klischees und Stereotypen prgt.

Diese Arbeit hat zum Ziel, das brachliegende Erfahrungspotential der Fotografie der Gelegenheitsknipser zumindest teilweise zu entschlsseln. Dabei mssen sowohl Rezeption von Fotos, als auch Produktion von Fotos mit allen in sie eingehenden Bedingungsfaktoren, die vorgegebenen inhaltlichen, formalen und technischen Normen, entschlsselt werden. Hierbei ist wesentlich, da das Subjekt dieser Gesellschaft (der einzelne Amateur) nicht nur als allgemein gesellschaftliches gesehen wird, sondern als konkret einzelnes, in subjektiven Erkenntnisstrukturen verhaftetes Wesen.


2. Historische Aspekte der Entwicklung der Fotografie

Die rasche Entwicklung und weite Verbreitung der Fotografie hngt mit der Mode des Portraits im 19. Jahrhunderts zusammen. Das aufstrebende Brgertum, das sich in Europa von feudalistischen Fesseln zu befreien suchte, die es in seinem konomischen Expansionsdrang hinderten, schaffte sich im Portrait ein Mittel der Selbstdarstellung. Seinem Abbild gegenberzustehen, sich selbst und das erreichte zu bewundern und zu zeigen ich bin wer war lange genug dem Adel vorbehalten. Die neue aufstrebende Klasse des Brgertums suchte und fand in der Fotografie ein adquates Mittel zur Selbstdarstellung, das gengend einfach (gegenber den Vorgngern: bspw. Camera obscura) zu handhaben, billig und massenhaft reproduzierbar war und auerdem eine realistische, authentische Wiedergabe ermglichte.

Nach der offiziellen Einfhrung der Fotografie (1839 durch Arago) und den Ankauf der Patente durch den franzsischen Staat, wurde die Grobourgeoisie (Industrielle etc.) die erste Rezeptionsschicht der teuren Daguerreotypien. Die beiden Erfinder der Fotografie, Niepce und Daguerre, waren ebenfalls wohlbetuchte Brger, die vom Arbeitsproze freigestellt, Zeit zum Experimentieren und wissenschaftlichen Studien besaen.

Noch waren Daguerreotypen teuer (eine Platte kostete etwa 25 Goldmark) und sie waren Unikate, so da sie bevorzugt knstlerisches Ausdrucksmittel der herrschenden und besitzenden Klasse wurden.

Man schtzt, da um 1850 bereits zweitausend Daguerreotypen ttig waren, und da 1853 etwa drei Millionen Photos gemacht wurden. Die Gesamtproduktion belief sich zwischen 1840 und 1860 auf mehr als dreiig Millionen Photographien. Der Preis fr ein einzelnes Bild betrug, je nach Gre zwischen zweieinhalb und fnf Dollar (Freund, Gisele 1979, S. 34).

Erst durch Verbesserungen der technischen Apparatur (scharfe Optik, kurze Belichtungszeit) und der Ablsung der lichtempfindlichen Metallplatte durch das Glasnegativ in Verbindung mit dem nassen Kollodiumverfahren, wurden Fotos beliebig reproduzierbar und damit fr die Industrie und andere Schichten des Brgertums interessant. Hier setzte die Nutzbarmachung der Fotografie durch Industrie und brgerliche Gesellschaft ein. Damit war auch der knstlerische Hhenflug der ersten Fotografen beendet. Die Fotografie war jetzt in Ihrer Entwicklung soweit, da man fr ihren Gebrauch keine speziellen Kenntnisse mehr mitbringen musste.

Die Gesetze der rationalisierten Wirtschaft bewirkten, da der Mensch selber mit seiner Arbeit sich immer mehr der Maschine unterwerfen musste, eine Tendenz, die sich auch in der Entwicklung der Geschichte der Fotografie widerspiegelt. Sie tritt in eine neue Phase ein (Freund, Gisele 1979, S. 56).

Mit der Einfhrung der Kodak-Box (1890, Werbeslogan: You press the button, we do the rest) wurde der Grundstein fr einen sich stndig weiter ausdehnenden Amateurmarkt geschaffen. Ohne weitere fotografische Kenntnisse konnten sich die Menschen von nun an selber portraitieren. Als Reaktion auf die Popularisierung der Fotografie, versuchten sich die Kunstfotografen von der groen Masse durch formale Finessen (Bromldruck, Gummidruck etc.) abzuheben.

Mehr denn je war das Bestreben des Photographen dahin gerichtet, die Photographie der Malerei anzunhern und diejenige Photographie erzeugte den hchsten Grad der Bewunderung, die einem Gemlde am nchsten war (Freund, Gisele 1979, S. 99).

Durch die Einfhrung der Kodak-Box und den damit verbundenen technischen Innovationen, wie die mit Bromsilbergelatine beschichtete Trockenplatte, stieg auch das Bedrfnis nach massenhaft verfgbaren Reproduktionen. Noch bevor Zeitungen und Zeitschriften dieses Bedrfnis abdecken konnten, erreichte um die Jahrhundertwende die Postkartenproduktion ihren Hhepunkt:

Um 1900 gaben die Produktionsstatistiken folgende Zahlen an: Deutschland 50 Millionen Einwohner, 88 Millionen Karten; Belgien 38, 5 Millionen Einwohner, 14 Millionen Karten; Belgien 6, 5 Millionen Einwohner, 12 Millionen Karten; Frankreich 38 Millionen Einwohner, 8 Millionen Karten. Im Jahr 1910 schtzt man die Zahl der allein in Frankreich gedruckten Karten auf 123 Millionen und die Zahl der in dieser Industrie beschftigten Arbeiter auf ungefhr 33.000 (vgl. Freund, Gisele 1979, S. 112).
Die Postkarten wurden erster massenhafter Trger von Fotografie, sie waren billig und mit ihrer Hilfe konnte sich jedermann die Welt in das eigene Wohnzimmer holen.

Die Anwendung der Fotografie in der Massenbildpresse (Illustrierte, Tageszeitungen) war der nchste qualitative Sprung in der Geschichte der Fotografie. Schon zur Jahrhundertwende waren fotografische Reproduktionsverfahren und Drucktechniken (Tiefdruck, Rotationsdruck) so weit entwickelt, da prinzipiell eine Verwendung von Fotos mglich war. Doch erst nach dem 1. Weltkrieg erreichten Fotos in der Presse den ausschlielichen Stellenwert, den sie heute besitzen (1904 illustrierte der Daily Mirror seine Seiten ausschlielich mit Fotos, ab 1919 die New Yorker Illustrated News). In Verbindung mit der Entwicklung der Kleinbildkamera (Leica), die Momentaufnahmen ohne Blitzlicht zulie, wurden allmhlich berkommene Rezeptionsgewohnheiten aufgebrochen. Politiker, Frsten, Verbrechen, Kriege fanden Eingang in die Kpfe der Rezipienten.

Die Photographie leitet das Zeitalter der visuellen Massenmedien ein, als das Einzelportrait durch das kollektive Portrait verdrngt wird. Gleichzeitig wird die Photographie zu einem mchtigen Instrument der Propaganda und der Manipulation. Die Bilderwelt wird entsprechend den Interessen jener gestaltet, die die Presse besitzen: die Industrie, das Finanzkapital, die Regierungen (Freund, Gisele 1979, S. 117). In der Weimarer Republik wurde der Grundstein fr die heutige Reprsentation von Fotos in der illustrierten Massenpresse gelegt. Das fotografische Einzelbild wurde von der Reportage (zusammenhngende Bildserie) abgelst. Die Reportage prgte und prgt entscheidend den Charakter der Illustrierten und auch das Bild der Leser von der Welt. Dem Leser wurde und wird auf der einen Seite ein Scheinwelt vorgegaukelt, mit dem Tenor siehe die Welt ist gut, es lohnt sich zu leben, auf der anderen Seite steht die Bestrkung der Vorurteile des Einzelnen und seiner Position in der Gesellschaft, indem ihm Randgruppen, Verbrechen usw. vorenthalten werden., die ihm die Mglichkeit zur Abgrenzung gegenber anderen erffnen ich bin besser, schner als die anderen.

Abschlieend lt sich feststellen, da die Fotografie aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen, eines bestimmten historischen Prozesses als Alltagserscheinung im Bewutsein der Menschen verankert ist (massenhaftes Kommunikationsmittel). Diese Entwicklung gilt fr die Produzentenseite (Gebrauch der Kamera): von der teuren und wenig handlichen Daguerreotypie, bis hin zur billigen, handhabbaren Kleinbildkamera, die Momentaufnahmen, gerade im privaten Bereich zult; und fr die Rezipientenseite: vom fotografischen Kunstprodukt und Unikat, bis hin zur Allgegenwart in der Presse und Werbung. Dabei hngen Produktion und Rezeption von Fotos zusammen, bedingen sich wechselseitig. Ohne die (historisch) gelernte und vermittelte Rezeption von Fotos, wre eine Produktion in den heutigen Ausmaen undenkbar. Indem die Fotografie dem Rezipienten stndig den Spiegel der Welt vorhlt, wchst auch bei ihm der Wunsch, sich diese Welt privatim anzueignen.

2.1 Anmerkungen zum Bedeutungswandel von Abbildern

An dieser Stelle sollen einige Anmerkungen zum grundstzlichen Charakter von fotografischen Abbildern folgen. Die rasche Ausdehnung und Vermarktung durch die brgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ist ein Indiz fr eine grundstzliche Vernderung der Art und Weise der menschlichen Sinneswahrnehmung durch das Medium, das Benjamin (1977) als das erste wirklich revolutionre Reproduktionsmittel Die Photographie bezeichnet hat.

Aufhebung der Einheit Kopf-Hand
Die alten Reproduktionstechniken, wie Lithographie, Holzschnitt, Steindruck beanspruchten noch den ganzen Menschen (im Sinne von ganzheitlich). Seine Hand fhrte aus, was der Kopf befahl. Im Zuge der industriellen Revolution, der damit verbundenen gesellschaftlichen Vernderung, wurde durch die Fotografie diese Einheit aufgehoben. Mittels eines physikalisch-chemischen Prozesses entsteht das Bild (Negativ), ohne zutun des Menschen, ohne seine Kunstfertigkeit. Allein sein Blickwinkel auf die Natur ist magebend, fr das, was sich spter auf dem Bild abzeichnen soll. Mit der Photographie war die Hand im Proze bildhafter Reproduktion zum ersten mal von den wichtigsten knstlerischen Obliegenheiten entlastet, welche nunmehr dem ins Objektiv blickende Auge allein zufiel (Benjamin, Walter 1977, S. 10).

Die Zertrmmerung der Aura
Kennzeichen des Abbildes, vor der technischen Revolution durch die Fotografie, war seine Originalitt, seine Echtheit und die spezifische Wahrnehmung des Originals in ritualisierten Situationen. Die Kombination dieser Elemente nennt Benjamin (1977) Aura, was wohl am ehesten mit sinnlichem Eindruck, Atmosphre zu bersetzen ist. Durch die technische Reproduktion wurde diese Aura zerstrt; denn bei einer Reproduktion ist die Frage nach der Echtheit, nach dem Original bedeutungslos, da unbegrenzt viele Abzge mglich sind. Damit ist sie auch in der Lage, dem Betrachter entgegen zu kommen, sich der jeweiligen Rezeptionssituation anzuschmiegen und lst so das Abbild aus den traditionellen, ritualisierten Situationen und wird (fast) beliebig verfgbar.
Die Reproduktionstechnik, so liee sich allgemein formulieren, lst das Reproduzierte aus dem Bereich der Traditionen ab. Indem sie die Reproduktion vervielfltigt, setzt sie an die Stelle seines einmaligen Vorkommens sein massenweises. Und indem sie der Reproduktion erlaubt, dem Aufnehmenden in seiner jeweiligen Situation entgegenzukommen, aktualisiert sie das Reproduzierte (Benjamin, Walter 1977, S. 13).Vernderung der Rezeption: Kultwert/Ausstellungswert
Der Kultwert ist das Spezifikum originaler Abbilder, abhngig von Ritualen in denen das Kunstwerk dem Betrachter zugnglich gemacht wird. Beispiel: die Gtterstatue, die nur den Priestern zugnglich ist Die knstlerische Produktion beginnt mit Gebilden, die im Dienste des Kultes stehen. Von diesen Gebilden ist, wie man annehmen darf, wichtiger, da sie vorhanden sind als da sie gesehen werden (Benjamin, Walter 1977, S.19).Die technische Reproduktion wendet dieses Verhltnis aufgrund ihrer o.a. Charakteristika. Sie holt das bisher verborgene, nur wenigen zugngliche, ans Licht der ffentlichkeit. Der Kultwert mit seinen ritualisierten Rezeptionsgewohnheiten wird abgelst durch den Ausstellungswert, der eine massenweise Rezeption mglich macht.In der Photographie beginnt der Ausstellungswert den Kultwert auf der ganzen Linie zurckzudrngen (Benjamin, Walter 1977, S. 21).Gesellschaftliche Implikationen
Die technische Reproduktion als neue Qualitt fr die Produktion und Rezeption von Bildern lst eine Vernderung der Sinneswahrnehmung aus. Das Medium, das in diesem Sinne als das revolutionre bezeichnet wird die Fotografie bewirkt urschlich diese Vernderung. Sie lst das Kunstwerk (Abbild) aus dem parasitren Dasein am Ritual, indem sie die Einzigartigkeit und Echtheit, durch ein Reproduktionsverfahren aufhebt, da beliebig viele Abzge zult und damit die gesamte soziale Funktion von Kunstwerken verndert. Sie sind nun der massenhaften Rezeption zugnglich und ebenso von den Massen, aufgrund ihrer technischen Einfachheit zu bedienen.An die Stelle ihrer Fundierung aufs Ritual tritt ihre Fundierung auf Politik (Benjamin, Walter 1977, S. 18);d.h. Abbilder finden Eingang in die gesellschaftliche Realitt und sind nutzbar fr gesellschaftliche Gruppen/Individuen und fr die gesellschaftliche Kommunikation geworden.
Die Zertrmmerung der Aura, das Loslsen des Kunstwerkes aus seinen originren Ritualen durch die Reproduktion, macht das Abbild gewissermaen frei verfgbar und erzeugt so Bildhunger. Der Bildhunger der Massen, das Bedrfnis einer Reproduktion habhaft zu werden (siehe z.B. Postkartenproduktion), stillt die kapitalistische Bewutseinsindustrie (durch Illustrierte, Presse etc.), indem sie Realitt in Form von flchtigen Abbildern zur Verfgung stellt. Diese Realitt ist aber losgelst von Ritualen, Traditionen und vom originr sinnlichen Eindruck (Aura!) und insofern Fiktion.Die Ausrichtung der Realitt auf die Massen und der Massen auf sie ist ein Vorgang von unbegrenzter Tragweite sowohl fr das Denken wie fr die Anschauung (Benjamin, Walter 1977, S. 16).

3. Fotografie und Gesellschaft

Wenn Benjamin (1977) in den dreiiger Jahren von der revolutionren Bedeutung der Fotografie im Hinblick auf die Sinneswahrnehmung (Vernderung der Rezeption) und mglichen massenhaften Produktion sprach, so lt sich erst heute die eigentliche Bedeutung seiner Thesen ermessen. Auf der einen Seite hat sich ein (immer noch) stndig expandierender fotografischer Markt entwickelt, der die fr die Produktion von Fotografien notwendigen Apparaturen, Chemikalien etc. zur Verfgung stellt (Produktionsmittel) und die notwendige Warensthetik, i.s. von Gebrauchsanweisungen, gleich mitliefert.
Auf der anderen Seite ist die Fotografie als Massenmedium Bestandteil des Massenkommunikationssystems, wobei uns dort die Fotografie in vielfltigen Erscheinungsformen gegenbertritt (Presse, Werbung, als Beweis, als Dokumentationsmittel, Kunst, Hobbyknipser) und unser Bild von Realitt bestimmt.Dem massenhaften Informationsaussto sind wir alle als Rezipienten ausgesetzt, tagtglich. Fotografie als Konsumartikel propagiert durch Massenmedien. Der Informationsaussto der Massenmedien erfolgt, von Seiten der Rezipienten, ohne Bedeutungszusammenhang, d.h. es herrscht ein Nebeneinander unterschiedlichster und sich oftmals widersprechender Partikel. Damit ist die Fotografie geradezu ein klassischer Bestandteil einer funktionalistischen, kapitalistischen Gesellschaft geworden, die einerseits als Schauspiel fr die Massen fungiert und andererseits als Mittel der berwachung, indem sie beherrschende Ideologien produziert.

3.1 Die Fotoindustrie

Die Fotoindustrie unterliegt, wie alle Produktionsbereiche in der kapitalistischen Gesellschaft, einem stndigen (konomischen) Expansionszwang. Sie mu ihre Mrkte stndig erweitern, um neue Abnehmer fr ihre Produkte zu gewinnen und stndig neue Produkte (Innovationen) anbieten, um Konsumwnsche der Kufer zu befriedigen und gegenber anderen Unternehmen konkurrenzfhig zu bleiben.

Ab 1888 setzte die industrielle Produktion von fotografischen Apparaturen ein. Georg Eastman (Kodak) konstruierte eine Boxkamera, die gengend einfach zu handhaben und relativ billig war, um eine breite Schicht von Fotointeressierten zu erreichen. Kodak sicherte sich damit breite Marktanteile am Fotomarkt. Mittels neuer Technologien wird die Kamera so weit verbessert und kann in so hohen Stckzahlen aufgelegt, da sich schon in den dreiiger Jahren Arbeiter eine Kamera leisten konnten (1930 bringt Agfa ihre Box-Camera fr 4 RM heraus und verkauft in wenigen Jahren 3 Millionen Apparate).
Nach dem zweiten Weltkrieg setzt sich diese Expansion stndig weiter fort.Mit der Instamatic (wieder von Kodak) und der Kodak-Disc-Kamera wird das Fotografieren noch einfacher, noch billiger und noch umsatztrchtiger fr die Konzerne (eine Instamatic-Kamera, egal ob Kodak oder Agfa war schon fr 20, - DM zu haben). Daneben werden auch die anfangs nur fr einen Profimarkt oder den sehr engagierten Amateur konzipierten Spitzenmodelle (z.B. die Nikon F-Baureihe), zumeist Spiegelreflexkameras, vollgepackt mit Automatiken, sehr gut umgesetzt, d.h. sie erfreuen sich aufgrund bestimmter Werbestrategien (von denen spter die Rede sein soll) immer grerer Beliebtheit.
Dieser Expansionsdruck der Fotoindustrie hat zur Folge, da heute fast jeder Mensch irgendwann einmal eine Kamera in den Hnden hat. Damit erhlt das Subjekt in der Gesellschaft ein Produktionsmittel.
Die Fotografie ist das erste Darstellungsmedium, das auch den breiten Massen in die Hnde fllt. Der auf konomischer Ebene ablaufende Ausdehnungszwang der Industrie kann nur ber eine Verbesserung und Verbilligung der Fotografie die dafr bentigen Konsumenten beschaffen. Hier kann nun aber die konomische Quantitt zu einer sozialen Qualitt werden: Die Bevlkerung bekommt objektiv ein neues Produktionsmittel in die Hnde, das viele Mglichkeiten beinhaltet. 1975 haben 70% aller deutschen Haushalte einen Fotoapparat. Sie belichten rund 85 Millionen Filme, d.h. 2 Milliarden Aufnahmen (Gnter, Roland 1977, S. 85).3.1.1 Tendenz zum Farbbild Hoffnungsvoll verluft auch die Umsatzkurve fr die Fotoindustrie im Filmsektor (SW-Negativ, Farb-Negativ, Farbdia). Der eigentliche Durchbruch erfolgte hier jedoch erst in den fnfziger Jahren, mit Einfhrung eines von Kodak entwickelten Farbnegativfilms (Kodakcolor), der relativ gute und preiswerte Abzge zulie. Eigentlich erst von diesem Zeitpunkt an wurde die Fotografie fr den fotografischen Laien interessant. Der weitaus grte Teil der heutzutage verknipsten Aufnahmen sind Farbkopien, im Farbdiabereich wieder gekoppelt mit einer stndig wachsenden Zubehrindustrie (Projektoren, Leinwnde etc.).
In den Vereinigten Staaten waren 1974 87 % der verkauften Filme Farbfilme. Der Umsatz in der BRD bewegte sich im gleichen Jahr bei etwa 80 % Farbfilmen. Absatz und Gebrauch der Schwarz-Wei (S/W)-Filme ist insgesamt (gemessen am Gesamtumsatz) stark Rcklufig. Diese Tendenz zum Farbfilm ist Kennzeichen fr eine Verschiebung/Vernderung der Produktions-, aber vor allem der Rezeptionsgewohnheiten der Amateure. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs wird von Seiten der Werbung, der Illustrierten in stndig steigendem Mae das Farbbild eingesetzt; Mann/Frau stelle sich einmal eine Marlboro Reklame in S/W vor!

Tabelle 1

Verkauf von Kameras und Filmen in der BRD

Jahr Haushalts-
typ 1 1)
Haushalts-
typ 2 2)
Haushalts-
typ 3 3)
1964 14, 4 80, 2 93, 8
1965 19, 9 77, 9 96, 6
1966 20, 1 87, 7 94, 4
1967 21, 6 89, 4 96, 8
1968 21, 9 87, 8 94, 7
1969 28, 1 89, 4 96, 3
1970 28, 1 93, 8 94, 7
1971 24, 4 93, 0 96, 5
1972 23, 5 94, 1 97, 6
1973 25, 0 93, 2 96, 9
1974 26, 9 95, 2 96, 9
1975 31, 2 95, 6 97, 4

      1) Haushaltstyp 1: 4-Personen Arbeitnehmerhaushalt mit niedrigem Einkommen

      2) Haushaltstyp 2: 4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit mittlerem Einkommen

      3) Haushaltstyp 3: 4-Personen Haushalt von Beamten und Angestellten mit hherem Einkommen

Ausstattung ausgewhlter privater Haushalte mit ausgewhlten langlebigen Wirtschaftsgtern

Quelle: sthetik und Kommunikation, Heft 28, 1977, S.50

Tabelle 2

Entwicklung der Fotoaufnahmen (verwertete Aufnahmen)

Jahr Aufnahmen insgesamt Vernde-
rung %
S/W-Aufn.
Mio.Stck
Anteil
%
CN-Aufn.
Mio.Stck
Anteil
%
Dias
CU-Aufnn.
Mio.Stck
Anteil
%
1972 1.470 +8 370 25 700 48 350 24
1973 1.645 +12 352 21 850 52 388 24
1974 1.825 +11 326 18 1.010 55 429 24
1975 2.000 +10 320 16 1.240 62 440 22
1976 2.000 +10 352 16 1.364 62 484 22


Quelle: sthetik und Kommunikation, Heft 28, 1977, S. 50

Die o.a. Statistiken belegen, da der Besitz von Fotoapparaten in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Fotoapparate sind normale Gebrauchsgter, mit denen heute etwa 80 % der Haushalte ausgestattet sind. Bei zwei Gruppen (Haushaltstyp 2 und 3) wird sogar bald schon die 100 % - Marke erreicht sein. Auffallend ist zudem die starke Korrelation zwischen hherem Einkommen/besserer Ausbildung und dem Besitz von Fotoapparaten, wobei man davon ausgehen kann, da gerade in den besser verdienenden Haushalten Fotoapparate mehrfach vorhanden sind. Ursache fr dieses Mehrfachkonsum ist die differenzierte Produktwerbung der Fotoindustrie: Fr den Familienvater die komplizierte und damit mnnliche Spiegelreflexkamera Nikon F 3, fr die Frau die poppig rote und einfache Sucherkamera Mamiya U.

Beispiel:


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Im Bereich der niedrigen Einkommen (Haushaltstyp 1) ist fr die Fotoindustrie noch einiges an Profit zu erzielen. Die 1981/82 erfolgte Einfhrung der Kodak-Disc-Kamera zielt speziell auf diese Gruppe ab.
Die o.a. Tendenz zum Farbbild wird durch die zweite Statistik besttigt. Vor allem die Anzahl der Farbnegativaufnahmen (CN) hat sich stndig erhht, zu ungunsten der S/W-Aufnahmen, deren Anteil sich ziemlich stabil bei 10 % bewegt. Die 2, 2 Milliarden verwerteten Aufnahmen (durch Labors der Fotoindustrie) bedeuten, da etwa pro Sekunde 70mal auf den Auslser gedrckt wurde, denn nicht alle belichteten Aufnahmen werden zum Bild.

3.2 Fotografie als Ware Warensthetik der Fotografie

Die Fotoindustrie liefert nicht nur Waren i.s. von den , Gebrauchswerten, sondern verknpft mit Kameras, Filmen, etc. eine bestimmte Warensthetik (vgl. hierzu bes. Haug, W.F. 1976). Diese Warensthetik ist letztlich ein Produkt der Konkurrenz der Konzerne untereinander und des Kampfes um Kuferschichten. Der Begriff Warensthetik bedeutet i.d.Z. , da der Ware auer dem konkreten Gebrauchswert ein Erscheinungsbild (ein Image) anhaftet, da ihr mittels formal-sthetischer, bildhafter und sprachlicher Mittel verliehen wurde. Es sind diese Erscheinungsbilder, die auf dem Markt um die Gunst der Kufer buhlen, die sich wiederum zwischen Namen, Formen und Farben entscheiden mssen, ohne die wahre Natur der Sache und der Notwendigkeit dieser Sache zu durchschauen.Die Ersetzung von Gebrauchswertkonkurrenz durch Eindruckskonkurrenz, also die ungeheure Bedeutung der Techniken der Beeindruckung, denen gegenber die objektive Wirklichkeit, wie die Interessen der Menschen nun mehr, gleichgltige Meinungsgegenstnde sind, ist ein Wesenszug des Monopolkapitalismus (Haug, W.F. 1976, S. 18). Im Folgenden soll analysiert werden, wie diese Eindruckskonkurrenz auf dem Gebiet der fotografischen Produkte aussieht, welche Bedrfnisse, Sehnschte, Wnsche die Fotoindustrie im Kufer weckt. Denn der eingeschrnkte und normierte Gebrauch des Mediums Fotografie in unserer Gesellschaft ist mit ein Produkt der Werbung der Fotoindustrie. Mittels Fernsehspots, Werbeanzeigen, Plakaten und Fotozeitschriften versucht sie die Menschen zum Fotografieren anzuregen und das mglichst oft.


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3.2.1 Beeindruckung durch den technischen ScheinDie Yashica Elektro 35 GT ist eine Kamera des Raumfahrtzeitalters, die ihre Familie begeistern wird. Herrliche Aufnahmen bei Tag und Nacht, Automatisch. Keine technischen Kinkerlitzchen. Nur zcken, zielen, schieen. Das Computergehirn und die elektronische Blende besorgen den Rest. (Werbeanzeige) So oder hnlich lauten die meisten Anzeigen fr Fotogerte. Ob Yashica 35 GT, Nikon F 3 HP, Nikon FA, Minolta X 500 oder X 700, alle sind vollgepackt mit Computergehirnen, Programmautomatiken etc. und versprechen dem Kufer viel Technik und wenig Ballast. Die Betonung des technischen Aspekts, in Verbindung mit einer technizistischen Sprache suggerieren dem Amateur, da eine gelungene Aufnahme erst dann mglich ist, wenn er ber ein Vario-Zoom oder eine Kamera mit elektronischem Schrfen-Index mit hoher Dmmerleistung verfgt. Dieses Versprechen der Werbung ist abgehoben vom tatschlichen Gebrauchswert fr den einzelnen, schon allein deshalb, weil er die technologische Seite der Apparatur nicht durchschaut er gezwungen wird, der in der Gesellschaft erlernten Fortschrittsglubigkeit, wie bei anderen Produkten auch, Folge zu leisten.
Indem die Fotoindustrie an dieser Fortschrittsglubigkeit und dem Bedrfnis nach kreativer Bettigung und technischen Gerten anknpft und selber als Motor dieser Entwicklung fungiert, gewinnt sie Herrschaft ber die Menschen durch das Anknpfen an Bedrfniselemente (hier: Technik vermittelt Sicherheit perfekte Bilder), die geschickt aus einem groen Komplex an Bedrfnissen herausgeschnitten werden, haftet der Ware Fotografie ein sinnliches Versprechen an, dem der Amateur mit dem Kaufakt Folge leistet. Oder anders formuliert, der Amateur fllt auf den schnen Schein herein, er lt sich durch technisch produzierte knstlerische Erscheinungen beeindrucken (vgl. Haug, W.F. 1976).

Das in diesem Fall technizistische Erscheinungsbild der Ware Kamera lst sich von ihrem Kern (dem Gebrauchswert) und zirkuliert gleichsam als Handlungsanweisung in den Kpfen der Amateure. Dieses Erscheinungsbild hat rein gar nichts mit dem tatschlichen Wert der Kamera zu tun, die Befriedigung der durch das Image suggerierten Sehnschte wird ihm auch weiterhin versagt beleiben.

Im Schein verspricht ihm die Ware das Sein. Die gekaufte Ware stattet ihn aber nur mit einem Schein des Gewnschten aus (Haug, W.F. 1976, S. 64). Die Folgen dieses Prozesses sind offensichtlich und ganz im Sinne der Industrie: Der Amateur glaubt, er knne ohne DIE Nikon F 3 z.B. nicht fotografieren, er wird sich diese Kamera kaufen und nach und nach das notwendige Zubehr, damit ihm das wirklich perfekte Bild gelingt und er auch alle technischen Mglichkeiten der Kamera ausschpfen kann.
Ein zweiter wichtiger Gesichtspunkt ist die stndige technische und sthetische Innovation auf dem Kameramarkt. Jhrlich erscheinen neue Modelle, oft nur geringfgig gegenber den Vorgngermodellen im Design verndert, und das bei fast allen Kameratypen und Herstellern. Das bedeutet aber auch, da jedes Mal ein neues Befriedigungsangebot, ein neues Erscheinungsbild dem Amateur gegenbertritt. D.h. unter Umstnden, da man eine krzlich erst erworbene Kamera wieder beiseite legt, weil ein neues Modell erschienen ist, mit eingebauter Motivklingel beispielsweise und natrlich noch schrferen Fotos. Damit werden die Bedrfnisse des einzelnen Menschen in eine neue Richtung gelenkt.
Die sthetische Innovation, als Funktionstrger der Regeneration von Nachfrage, wird so zu einer Instanz von geradezu anthropologischer Macht und Auswirkung, d.h. sie verndert fortwhrend das Gattungswesen Mensch in seiner sinnlichen Organisation: in seiner dringlichen Einrichtung und materiellen Lebensweise, wie in Wahrnehmung, Bedrfnisbefriedigung und struktur (Haug, W.F. 1976, S. 54). 3.2.2 Beeindruckung durch den professionellen ScheinDie Werbung, die Beeindruckung der Fotoindustrie beruft sich in zunehmendem Mae auf den Profi, den Knner in der Fotografie. Es gibt mittlerweile kaum ein Produkt mehr, das nicht die Bezeichnung professionell fhren wrde: ob Filme Labaphot der Profi-Film oder Kameras Die FR-Zeit jetzt fotografieren Amateure wie Profis, es wird der Eindruck erweckt, da der Amateur Fotos wie ein Profi machen kann und gleichzeitig der professionellen Weihen teilhaft wird, wenn er nur die angepriesenen Fotografischen Produkte verwendet. Das professioneller Standard und professionelle Mglichkeiten fr den einzelnen Amateur als so erstrebenswert gelten, ist eine Folge der Werbung, der durch sie lancierten Sehnschte und Bedrfnisse und der massenhaften Rezeption der Bilder von Profis/Berufsfotografen, die unser Bewutsein ber Fotografie prgen. Der Berufsfotograf hat die ffentlichkeit (Medien) auf seiner Seite; er ist derjenige, dessen Vorstellungen von Fotografie und dessen Techniken fr den Amateur nachahmenswert erscheinen, einfach aufgrund der Prsenz seiner Fotos in allen Lebensbereichen. Verspricht nun die Werbung professionelle Mglichkeiten, so ist in der Werbung impliziert das Versprechen nach
imageffentlichkeit fr den Amateur enthalten, das Versprechen auch ein mal sein Foto gedruckt zu sehen und Ruhm und Anerkennung zu ernten, und fr eine leicht erscheinende Ttigkeit fette Honorare einzustreichen.


Dieses sinnliche Versprechen der Fotoindustrie und das Eingehen des Amateurs auf dieses Versprechen mir dem Kaufakt, sichert ihm die Nhe zum Profi, die auch in der eigenen fotografischen Produktion ihre Fortsetzung findet. Er versucht in seiner Freizeit das nachzuvollziehen, was der Profi als Bildvorlage bietet. Er versucht sowohl formal/inhaltlich, als auch durch die entsprechende stndige Erweiterung seiner Ausrstung mit dem, was gesellschaftlich als professioneller Standard angesehen wird, gleichzuziehen.

Die Nhe zu ihnen (den Profis, d.V.) wird beim Kauf der Kamera, beim Erwerb des Zubehrs entschieden. Aber diese Nhe, die dem Amateur mit dem Kauf einer teuren Kamera angeboten wird und von deren beider Verbindung er sich Einblick erhofft, die ihm die Welt zeigen, wie er sie noch nie gesehen hat, ist ebenso konstruiert und knstlich, wie die auf den Hndler-Profit zielende suggestive Gleichschaltung von gutem Apparat und guter Aufnahme. Es ist die Nhe zwischen dem Zuschauer und Champion, zwischen anonymem Betrachter und gefeiertem Akteur (Volksfoto 1981, Heft 1, S. 18).

Professioneller und technizistischer Schein sind die wesentlichen Bestandteile der Warensthetik der Fotografie. Die Modellierung der Sinnlichkeit (hier: des sinnlichen Bewutseins ber Fotografie) des Amateurs macht ihn gewissermaen zur abhngigen Variablen der Fotoindustrie. Der schne Schein, das sinnliche Versprechen der Ware Fotografie verndert und initiiert Bedrfnisse, die den gesellschaftlichen Gebrauch des Mediums prgen.

Den als Kufer angezielten Menschen treten Dinge gegenber, in denen Teile ihres unbefriedigten Wesens perfekten Ausdruck und Befriedigung zu finden scheinen. Indem die Menschen auf diese Dinge triebhaft ansprechen, sollen sie zu ihren Kufern werden (Haug, W.F. 1976, S. 126);

und indem sie zu ihren Kufern werden, werden sich die Bedrfnisse (ihre subjektive Sinnlichkeit) verndern, d.h. auf die Fotografie bezogen: der Amateur wird die jeweils neueste Supertechnik als ein Mu empfinden (Effekt fr die Industrie: mehr Umsatz-Auswirkung auf den Amateur: Technizismus, mangelnder Durchblick) im Hinblick auf die Entwicklung seiner fotografischen Kreativitt. Ebenso wird er versuchen seine evtl. sehr teure Ausrstung optimal zu nutzen, entsprechend wertvolle und einzigartige Aufnahmen zu machen. Dabei wird er sich an den als gesellschaftlich wertvoll anerkannten Bildvorlagen (Ausstellungen, Presse, Zeitungen) orientieren, d.h. an dem Profi/Berufsfotografen (siehe dazu Kap. 4). Je strker er sich aber an den Profis und deren Bildaussto orientiert, desto uniformierter, einheitlicher und austauschbarer werden seine Fotos. Ist der Amateur an diesem Punkt angelangt, wird ihm dieser Vorgang bewut, greift er nach der nchsten Kameramarke, die noch professionellere Fotos verspricht. In den meisten Fllen ist es wieder einmal ein Griff ins Leere.

3.2.3 Die FotozeitschriftenDie Fotozeitschriften sind Vermittler der o.a. spezifischen Erscheinungsbilder der Fotografie. In diesen Heften wird der grte Teil der Werbung der Fotoindustrie platziert. Fotozeitschriften sind zumeinst Hochglanzmagazine (z.B. Color-Foto, foto-scene, Die Photographie, Foto-Hobby), die sich an den fotointeressierten Amateur wenden, der bereits ber zumindest eine Sucherkamera verfgt. Sie bieten dem Amateur Identifikationsmglichkeiten und Unterscheidungsmerkmale gegenber den simplen Knipsern an und bestrken jene auf ihrem Weg zur bertechnisierten und profimigen Ausrstung (vgl. Kap. 3.2.1 und 3.2.2), indem sie Texte und Bilder so arrangieren, da sie immer auf die neueste fotografische Apparatur und ausgefeilteste Technik abzielen und so den Betrachter mir den Herstellern fotografischer Produkte verkuppeln. Sogenannte redaktionelle Beitrge (in dem Beispiel des Color-Foto Hefts 11/83 u.a. der Alexander Borell Kommentar) sind zumeist von der Fotoindustrie lanciert. Peter Walz der Herausgeber der foto-scene gibt sogar offen zu, er rechtfertig das mit dem konomischen Druck, der auf allen Fotozeitschriften lastet. Der grte Teil der Foto-Hefte besteht aus Werbung (teilweise bis zu 80 %) entweder direkte Werbung (Anzeigen) oder indirekte Werbung (sog. redaktionelle Beitrge).

Neben den neuesten technischen Errungenschaften werden nachahmenswerte Profis und Amateure vorgestellt (siehe Color-Foto Inhaltsverzeichnis; Hobbyfoto und Professional Workshop). Dabei fungiert der Profi als ber-Ich, als Meister, der jeweils die neuesten formalen und inhaltlichen Hinweise und Tips zur Produktion von Bildvorlagen gibt und so die Kreativitt des einzelnen Amateurs in eine bestimmte Richtung lenkt, ihn an den professionellen imageSchein bindet. Sehr deutlich wird dieser Proze bei den Rubriken der Fotozeitschriften, in denen Leser-Einsendungen reproduziert werden (Amateure fotografieren: Im Zoo, Im Zirkus), oder bei den ausgeschriebenen Leserwettbewerben (Gesucht werden die schnsten Urlaubsfotos).
Die dort letztlich als beispielhaft oder preiswrdig reproduzierten Fotos sind inhaltlich und formal Nachahmungen sog. professioneller Vorbilder. Mit grtem technischen Aufwand erstellt, aber doch nur ein Abklatsch der Fotowerbung. Gleichzeitig aber auch durchgngig uniform und stereotypenhaft (vgl. Lap. 3.2.2), lassen sie den Amateur wiederum in der Masse untergehen. Auch hier bleibt nur der schne Schein. Indem die Fotozeitschriften den schnen Schein der Ware Fotografie aufrechterhalten und untersttzen, bilden sie Bewutsein ber Fotografie, das auf Seiten des Amateurs zu einer eingeschrnkten Rezeption und zu einem normierten Gebrauch des Mediums Fotografie fhrt.


3.2.4 Anmerkungen zur Bedrfnisstruktur der Subjekte im Kapitalismus

Indem die Fotoindustrie den Amateur mit Gebrauchswertversprechen kdert (technischer und professioneller Schein), entwickelt es dessen Bedrfnisse weiter, lt aber nur jene Bedrfnisse sich entwickeln, die dem Konsum, dem Absatz der Waren dienen und die Gesellschaft nicht in Frage stellen, d.h. Problembewutsein wecken.

Dabei knpft sie an regressive Bedrfnisstrukturen der Subjekte in unserer Gesellschaft an. Diese regressiven Bedrfnisstrukturen sind ein Produkt der am Arbeitsplatz und in der Freizeit stndig erfahrenen Leistungskontrolle, des erfahrenen Unbefriedigtseins, der Langeweile usw. Die Folge ist, da das Subjekt einer verstrkten Leistungsmotivation bedarf, die formal anregend, psychisch nicht belastend sein darf, damit sich die Subjekte unhinterfragt dem Leistungsprinzip unterwerfen, weiterhin in dieser Gesellschaft bestehen knnen und ihre Angst vor dem Scheitern bspw. , vor dem Versagen, verdrngen knnen. Insofern werden Befriedigungsangebote nicht nur von seiten der Industrie an die Kufer herangetragen, sondern die Kufer brauchen fr ihr psychisches Wohlbefinden in dieser Gesellschaft geradezu jenen Konsum, um eigene konkrete Erfahrungen und Bedrfnisse verdrngen zu knnen. Die Folge ist auf der einen Seite der Wunsch nach anregender Dynamisierung, auf der anderen Seite das Befriedigungsangebot der Industrie (neue Kamera), das diese Bedrfnisse verstrkt und weiterentwickelt.

Die regressiven Bedrfnisstrukturen der Rezipienten korrespondieren mit dem der angebotenen Produkte. Gerade die Freizeitindustrie, die der Regeneration der Ware Arbeitskraft dient, sorgt fr diese anregende Dynamisierung. In unserem Fall knpft die Fotoindustrie (als ein Teil der Freizeitindustrie) an das Bedrfnis nach kreativer Bettigung und Besttigung der Subjekte an (sie verspricht: gute Bilder, aber nur mit hohem technischem Aufwand; die Nhe zum Profi), indem sie die Ware mit sthetischen Gebrauchswertversprechen koppelt, die aber nie eingelst werden knnen. Letztlich ist dieses von Seiten der Industrie nur Instrument zum Geldzweck. Von Seiten des Kufers wird durch das Eingehen auf dieses Gebrauchswertversprechen die Angst des Versagens, vor dem Leistungsprinzip, die Gefahr der Isolierung unterdrckt, indem er sich dem Konsum und der verstrkten Freizeitaktivitten hingibt. Das gilt vor allem fr die in Tabelle 1 (S. 18) ausgewiesenen Gruppen der unteren bis oberen Mittelschicht (Haushaltstyp 2 und 3), die einerseits ber Aufstiegssehnschte verfgen, andererseits einem verstrken Leistungsdruck ausgesetzt sind. Da sie zudem den grten kapitalkrftigsten Anteil der Bevlkerung stellen, konzentriert sich die Fotoindustrie besonders auf sie.

Das, was sich auf dieser Folie als Kreativitt uert (Bildproduktion), ist nichts anderes als Scheinbefriedigung, denn da der Kufer glaubt, da er mit der Kamera X die zugehrige Portion Kreativitt kauft, wird er sich keine Gedanken ber seine wirklichen Bedrfnisse und mglichen kreativen Leistungen machen und sich eher, falls seine Bildproduktion nicht dem professionellen Schein entspricht, eine andere Kamera kaufen. Die regressive Bedrfnisstruktur wirkt eben unmittelbar disziplinierend und die eigenen Erfahrungen verdrngend. Dieser Mangel an Problembewutsein erspart aber dem Kufer auch die stets mit der Angst und Leid verbundene (bewute) Verarbeitung konkreter Erfahrungen, Bedrfnisse und Interessen. Er mu aber stndig nach neuen Reizen suchen,

er kann keine Entspannung dulden, weil er keine Erfllung kennt (Prokop, Dieter 1974, S. 116)

4. Fotografie als Massenmedium

In Kap. 3 sollte offengelegt werden, wie von Seiten der Fotoindustrie mittels bestimmter Gebrauchswertversprechen ein repressives Bild ber den Gebrauch der Fotografie erzeugt und lanciert wird. Die Werbung der Fotoindustrie nimmt sowohl Einflu auf den Formal-technischen Aspekt der Fotografie (welche Apparaturen, Filme, etc. zu benutzen sind), als auch auf die inhaltlich-sthetische Produktion von Fotos (wie und was zu fotografieren ist). Neben der Fotoindustrie sind es aber vor allem die Massenmedien, als Teil der kapitalistischen Bewutseinsindustrie (Negt , Oskar/Kluge, Alexander 1977) oder Illusionsindustrie (Haug, W.F. 1976), die die Fotografie benutzen. In diesem Zusammenhang beziehe ich mich nur auf die Massenmedien Illustrierte und Tagespresse , anhand der Untersuchungen von Josef Kasper (1979) und Klaus Walter (1982). Alle anderen Bereiche, in denen Fotografie als Massemedium eingesetzt wird (Werbung, Fernsehen usw.) bleiben hier ausgespart; es wird aber vorausgesetzt, da die hier herausgearbeiteten Tendenzen in ihren Grundmustern fr alle anderen Anwendungsgebiete ebenfalls typisch sind.

4.1 Besondere Eignung der Fotografie als Massenmedium

Die besondere Eignung der Fotografie zur Massenkommunikation und die rasche Adaption dieses Verfahrens zur Abbildung von Wirklichkeit durch die brgerliche Gesellschaft beruht einerseits auf den technischen Prinzipien der Fotografie, andererseits sind es bestimmte inhaltliche Vorzge, die sich aus den technischen Bedingungen ergeben. Die Fotografie ist

die erste sthetische Produktionsform, die auf der Hhe der Zeit steht, den Stand der Entwicklung der Produktivkrfte direkt reprsentiert, d.h. das technische Instrument und Medium Fotografie steht unter komplex entwickelten Produktionsbedingungen, angefangen von der Fotogerteproduktion (Hardware) bis hin zur Reproduktionsindustrie (Software); dies gilt fr das fotografische Produkt genauso wie fr dessen Produzenten, den Fotografen, soweit er professionalisiert ist (Kasper, Josef 1979, S. 9).

Es sind aber auch einige typische Charakteristika des fotografischen Abbildes, wie das Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit, der objektive Schein der demonstrative Wahrheitsanspruch (Waller, Klaus 1982) - , die ausgeprgte Ikonizitt (Kasper, Josef 1979), die das Foto zu einem festen Bestandteil der menschlichen Wahrnehmung werden lassen. Wobei davon auszugehen ist, da das grte Quantum an Information ber periphere Sinnesorgane, wie das Auge perzipiert (sinnlich wahrgenommen) und bewut erfat wird.

Wir erfahren unsere Wirklichkeit durch bestimmte Wahrnehmungsmuster. Diese Wahrnehmungsmuster bilden sich auf der einen Seite ber die Auseinandersetzung mit der realen Wirklichkeit, auf der einen Seite (zu einem groen Teil) durch bildhafte Darstellungen (Fernsehen, Werbung, Illustrierte) dieser Wirklichkeit heraus. Wirklichkeit wird also fr einen Groteil der Bevlkerung durch Fotos und Drucke vermittelt. Diese vermittelte Wirklichkeit prgt unseren Umgang mit einer realen Wirklichkeit, ohne da wir uns dieser Vorgaben bewut sind. Untersttzt und eingeleitet wird dieser Vorgang durch die Massenmedien, die uns im allgemeinen als Vermittler Wirklichkeit nahebringen. Unsere Wahrnehmung ist insbesondere auf Abbilder eingestellt. Kasper (1979, S. 75) geht in seiner Untersuchung davon aus, da nahezu 50 % der Bevlkerung Westdeutschlands wchentlich einmal eine Illustrierte lesen, ein Drittel der Bevlkerung wird allein vom STERN erreicht.

4.1.1 Prinzip der technischen Reproduzierbarkeit

Die besondere Qualitt des fotografischen Abbildes gegenber allen vorherigen Verfahren wurde bereits in Kap. 2.1 erwhnt. Die technische Reproduzierbarkeit des Mediums, d.h. die Mglichkeit beliebig viele Abzge herzustellen und die Variabilitt der Kameraausrstung, die beliebige Einsetzbarkeit oder Tragbarkeit der Kamera, lt die Fotografie zum ersten wirklich revolutionren Reproduktionsmittel werden (vgl. Benjamin, Walter 1977). Ihre technische Anschmiegsamkeit, die sich sowohl jeglicher Rezeptionssituation anpassen lt, als auch die Mglichkeit der bermittlung durch verschiedene Trgermedien wie Fernsehen, Drucke, bis hin zum weltweit bertragenen Funkbild, fhrt dazu, da sich das fotografische Abbild zum ersten Mal in der Weltgeschichte von parasitren Dasein am Ritual emanzipiert (vgl. Benjamin, Walter 1977, S. 17).

An die Stelle ihrer Fundierung auf das Ritual tritt ihre Fundierung auf die Politik (Benjamin, Waler 1977, S. 18).

Indem die Fotografie die Verbindung mit dem Druck (Illustrierte, Tagespresse) eingeht, werden die der Fotografie im Wesen innewohnenden Reproduktionskrfte in Richtung auf eine massenhafte Reproduktionsfhigkeit und Rezeptionsmglichkeit gesteigert.

Die Fotografie in der illustrierten Zeitung oder Zeitschrift macht sthetische Produktion durch billigen Preis endgltig fr alle Klassen der Gesellschaft zugnglich (Kasper, Josef 1979, S. 11) 4.1.2 Der objektive Schein der Fotografie

Klaus Waller kommt in seiner Untersuchung zu dem Schlu, da das in der Theorie (gemeint ist die Fototheorie, d. Verf.) vertretene Eingestndnis der Subjektivitt des Fotos beim allgemeinen Zeitungsfoto durch demonstrativen Wahrheitsanspruch geleugnet wird. Josef Kasper geht von hnlichen Voraussetzungen aus, nur spricht er in diesem Zusammenhang von der Ikonizitt, d.h. hnlichkeit mit der Natur oder Wirklichkeitstreue von Fotos. Auch in der brgerlichen Fototheorie (vgl. bes. Kemp, Wolfgang 1980, 1981, 1982) wird jene als einzig objektives Verfahren zur Abbildung von Wirklichkeit bezeichnet.

Der Glaube an die Objektivitt der Fotografie beruht

  1. auf der technischen Glaubwrdigkeit des Mediums: Die optimale Kombination von mechanischen, optischen und chemischen Naturgesetzen, jeweils auf dem neusten Stand der Produktivkrfte, die der fotografischen Apparatur innewohnt, zum Zweck der optischen Abbildung von Realitt und der anschlieenden Fixierung des Gesehenen auf dem Film, fhrt dazu, da der Fotografie ein ausgesprochener Realismus zugeschrieben wird. Kennzeichen dieses Realismus sind die groe Detailtreue des fotografischen Bildes und das schnelle Erfassen von Bewegungsablufen (Momentfotografie), schneller als das menschliche Auge reagieren kann. Hinzu kommt seit dem 2. Weltkrieg die Mglichkeit der farbigen Fotografie, die den Schlu nahelegt, da die Wirklichkeit ebenfalls farbig ist, da das, was auf dem fotografischen Abzug erscheint, Realitt war.
  2. auf der inhaltlichen Glaubwrdigkeit des Mediums: die inhaltliche Glaubwrdigkeit des Mediums ist zum einen ein Ergebnis der speziellen Verwendung von Fotos, mithin Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse, zum anderen ein Resultat der subjektiven Rezeption von fotografischen Abbilden (s. dazu Kap. 5) und deren Verankerung im Bewutsein.

Die technische Reproduzierbarkeit des Mediums fhrt dazu, da Abbilder von Realitt frei verfgbar und damit auch manipulierbar werden, indem man z.B. neue Bildwirklichkeiten arrangiert.

Bei einer bewut tendenzisen Gestaltung der Bildinhalte durch spezifisch fotografische Mglichkeiten werden auch direkte Bildflschungen nicht gescheut. Zudem zeigt sich durch das bewute Agieren vor der Kamera eine eigens fr das Foto arrangierte neue Bildwirklichkeit (Waller, Klaus 1982, S. 102).

Die Selektion von Fotos bei der z.B. nur besonders symboltrchtige Bilder von Seiten des Bildredakteurs ausgewhlt werden und die Kombination von Bild/Text knnen ebenfalls dazu dienen, die Wahrhaftigkeit eines Fotos zu steigern.

4.1.3 Kritik des objektiven Scheins

Die Objektivitt oder der Realismus des Fotos sind nur schner Schein und dienen letztlich nur der Manipulation des Rezipienten (natrlich auch der des privaten Produzenten). Seine Unkenntnis ber die technische Vielfalt und die Zusammenhnge (wie Fotos zustande kommen) in denen Fotos vermittelt werden, fhrt zur Besttigung des objektiven Charakters der Fotografie.

Allein schon von der technischen Seite her lt sich das Argument, das Kameraauge sei objektiv und realistisch, nicht halten, denn die verschiedenen technischen Mglichkeiten, die die Apparatur bietet, wie Wechseloptiken (mit jeweils unterschiedliche Brennweite), Perspektivenverkrzung oder verlngerung, Standpunkt des Fotografen, lassen das Foto zu einer rein subjektiven Sichtweise der Realitt werden. Um einen Gegenstand zu fotografieren, lassen sich unendlich viele Mglichkeiten realisieren und jede ist in ihrer Art der Abbildung von Realitt einmalig.

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Die Wahrheit der Fotografie
Das Foto ist ein schmaler Ausschnitt von Raum ebenso wie von Zeit. In einer von fotografischen Bildern beherrschten Welt erscheinen alle Grenzen willkrlich. Alles kann von allem getrennt werden. Es ist lediglich erforderlich, jedes Mal einen anderen Ausschnitt zu zeigen. Die Fotografie frdert eine nominalistische Sicht der gesellschaftlichen Realitt, so, als bestnde diese aus kleinen, offenbar unendlich vielen Einheiten wie ja auch die Zahl der Fotos, die von etwas gemacht werden knnen, unbegrenzt ist. Durch Fotografien wird die Welt zu einer Aneinanerreihung beziehungsloser, freischwebender Partikel (Sonntag, Susan 1978, S. 27).

Hinzu kommt, da ein Foto (zumindest als Einzelfoto) niemals mehr als die uere Hlle, die Oberflche eines Objektes darstellen kann.

Die Lage wird dadurch so kompliziert, da weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realitt etwas ber die Realitt aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke oder AEG ergibt beinahe nichts ber diese Institute. Die eigentliche Realitt ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdringlichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus (Brecht, Bertolt 1967, S. 161 f).

Das Wesen der Dinge oder die Realitt wird das Foto nie darstellen, auch wenn das Foto, wie in der Presse oder Illustrierten, typisierend mit entsprechenden Untertiteln versehen eingesetzt wird und der Rezipient es in diesen Zusammenhngen als seine oder als gesellschaftliche Realitt identifiziert. Anscheinend beruht aber die gesellschaftliche Definition der Objektivitt der Fotografie (von Seiten der Theorie, der Vermittler, aber auch der einzelnen Produzenten/Rezipienten) hauptschlich auf dem gewissen Ma an Konkretheit, dem blitzschnellen Erfassen von Momenten und der Fixierung realer Szenen, so da im gesellschaftlichen Bewutsein Realitt und Fotorealitt gleichgesetzt werden knnen. Insofern liee sich feststellen, da der Glaube an die Objektivitt des Fotos sein spezielles Gewicht verleiht und es von anderen Reproduktionen unterscheidet.

4.2 Vermittlung von Fotografie in den Massenmedien

4.2.1 Das Bild beherrscht den Text

Seit der Perfektionierung der Druckverfahren, vor allem des Vier-Farbdruck seit den 50er Jahren, ist der Anteil der Bilder im Bereich der gedruckten Medien stndig gestiegen. Fr den Beginn der siebziger Jahre spricht Kasper (1979, S. 77) von durchschnittlich 68% Bildaussagen, mit steigender Tendenz. Fr den Bereich er Tagespresse, deren Schwerpunkt auf aktueller Berichterstattung ruht, wird sich der Anteil der Bilder in dem Bereich von 30 50 % Bildaussagen bewegen; wobei zu bercksichtigen ist, da sich der Bildanteil in den Illustrierten und Tageszeitungen erhht, je mehr diese Medien auf ein Massenpublikum orientiert und Leser der untern Schickten angesprochen werden sollen. Beispiel: (Tagespresse): die Bild-Zeitung zielt auf ein Massenpublikum und schwerpunktmig auf Arbeiter und Kleinbrger ab, ihr Bildanteil ist entsprechend hher (quantitativ) gegenber dem Wuppertaler Generalanzeiger etwa.

Ein krasses Beispiel, die franzsische Zeitung Le Monde, die hautschlich auf Intellektuelle anzielt, verffentlicht berhaupt keine Fotos. In den Illustrierten zeichnen sich hnliche Tendenzen ab Wochenend oder Die Zwei zielen hauptschlich auf ein Unterschichtspublikum ab, ihr Bildanteil ist hher, mit entsprechend weniger Text, als etwa beim Stern.

Insgesamt lt sich hier festhalten, da das Bild, vor allem in den Illustrierten, einen berragenden Anteil der Rezeption ausmacht. Die Absicht der illustrierten Zeitungen ist die vollstndige Wiedergabe der dem photographischen Apparat zugnglichen Welt Dabei sind die Abbilder grundstzlich Zeichen, die an das Original erinnern mgen, das zu erkennen wre. Diese Erkenntnis aber ist verstellt, den so gewaltig ist der Ansturm der Bildkollektionen, da er das vielleicht vorhandene Bewutsein entscheidender Zge zu vernichten droht In den Illustrierten sieht das Publikum die Welt, an deren Wahrnehmung es die Illustrierten hindern (Kracauer, Siegfried 1981, S. 108 f).

4.2.2 Stereotypen der Medienfotografie

Fotos saugen lebendige Anschauung auf. Indem sie ffentlich gemacht werden, realisieren sie sich als Ware. Alles primre Geschehen (politische Ereignisse, Folklore, Unflle etc.) wird durch die Fotografie adaptiert, seines sozialen Gebrauchswertes beraubt, d.h. aus der im Prinzip real erfahrbaren Situation herausgelst und als Reproduktion in den Bildmedien verkauft. Zum einen realisiert sich dabei das Foto als Ware, zum anderen wird die Wahrnehmung auf stereotype Bildnormen und Sehweisen festgelegt. Die reale Wahrnehmung der Umwelt wird so zu einer als real empfundenen Wahrnehmung von Erscheinungen, die im Prinzip nur auf dem Fotopapier und im Zusammenhang der Bildmedien (des Textes) existieren.

4.2.2.1 Inhaltliche Stereotypen a) Personalisierung Fixierung auf Personen die etwas darstellen
Auffallend ist der Trend zur Personalisierung sowohl in der Tagespresse-, als auch in der Illustriertenfotografie, so da man hierbei geradezu von einem Wesensmerkmal der Medienfotografie sprechen kann. Klaus Waller (1978, S. 37) ermittelte bei der Analyse von 100 Ausgaben der Rheinischen Post, da von insgesamt 321 Fotos, 257 prominente Personen des ffentlichen Lebens zeigten. Ebenso Josef Kasper (1979, S. 81), der in einer Stichprobe von 4 Illustrierten (Bunte, Revue, Quick, Stern fr das Jahr 1971 durchschnittlich 75 % personenbezogene Fotos ermittelte. Dieser hohe Anteil von Fotos prominenter Persnlichkeiten ist ein Beleg fr die systemimmanente Bildpolitik der Medien. Die Fotografie hat hier die ideologische Funktion, die fhrenden Politiker und Wirtschaftsfhrer dieses Systems zu popularisieren.
b) Optimistischer Grundton Heile Welt

Hierbei mu unterschieden werden zwischen der Vermittlung des Bildes in der Tageszeitung und Illustrierten. Die Heile Welt in den Illustrierten:

Betrachtet man die Beitrge ber alle Bereiche hinweg, so sind positive und neutrale Wertungen eindeutig in der berzahl. In der Vielfalt und Flle der Beitrge wird dies whren der normalen Rezeption dem Leser wohl kaum bewut werden. Schliet man die seit den siebziger Jahren fast ausschlielich bunten Zeitungen in den Blattkonsum mit ein, so wird der durch das Bildmaterial bestimmte optimistische Grundton noch deutlicher (Kasper, Josef 1979, S. 86).

Vermittelt wird dieser optimistische Grundton durch den entsprechen sthetischen Charakter der einzelnen Fotos (Farbfotos, kostbare Objekte) und durch den Zusammenhang in dem diese Fotos stehen (Layout, Bild/Text-Kombination).

In der Tageszeitung greift der sthetische Schein wegen der fast ausschlielichen Verwendung von Schwarz/Wei-Fotos nicht so eindeutig, doch wird auch hier durch entsprechende Auswahl der fotografischen Objekte (lachende Politiker, Soraya-Fotografie) und durch die Platzierung der Fotos ein positives Weltbild gefrdert. Problematische Bereiche des menschlichen Zusammenlebens, wie die Arbeitswelt, soziales Elend, werden in der Medienfotografie nur selten thematisiert, geschieht dies aber, so werden solche Beitrge wiederum sthetisch schmackhaft zubereitet, so da sie fr den Rezipienten genau so gut verdaulich wie eine Marlboro-Reklame sind.

Personalisierung, Heile Welt
c) Fakten und Abbildrealismus

Fotografien werden gradlinig, mit der Tendenz zum bloen Abbilden von Realitt eingesetzt, d.h. es fehlt die mittels der Kamera mgliche Abstraktion des Fotoobjektes. Schon bei der Aufnahme durch den Profi ist einzig die rein abbildende Funktion des Fotoapparates bercksichtigt; Personenbilder z.B. erfolgen zumeist in der Totalen oder Halbtotalen. Formal wird die Tendenz zum Fakten- und Abbildrealismus durch den geradlinigen und tautologischen Gebrauch der Fotos in den Medien verstrkt. Der Abbildrealismus der Medienfotografie ist durch den Markt bestimmt. Hier offenbart auch das Foto seinen Warencharakter. Je mehr Fotos in den Massenmedien getauscht werden mssen, desto mehr mssen sie inhaltlich reduziert werden um einen groen Kuferkreis zu gewinnen. Diese inhaltliche Reduktion wird ganz besonders bei den Tageszeitungen deutlich, hier werden Fotos fast ausschlielich als Textbelege, zum Unterstreichen der Wahrhaftigkeit des Textes verwandt. Auf der anderen Seite sind es die Illustriertenfotos, die zwar auch auf einen Massenmarkt abzielen, deren Verpackung (sthetischer Schein mittels Farbfotografie) jedoch auf den ersten Blick anspruchsvoller erscheint, oder anders ausgedrckt: die Illustriertenfotos haben greren autonom-bildnerischen Charakter (es wird strker mit dem Repertoire der Fotografie gearbeitet) als die Tageszeitungsfotos.

4.2.2.2 Formale Stereotypen a) Tendenz zum FarbfilmMit dem Ansturm der Bildkollektionen ist es vor allem die Tendenz zum Farbbild, die sich in den Illustrierten immer strker durchsetzt. In der aktuellen Tagespresse wird nach wie vor das Schwarz/Wei-Foto vorgezogen Ausnahmen sind einige Wochenausgaben berregionaler Tageszeitungen (Frankfurter Rundschau, Die Welt). Der Mangel an Farbfotos in der Tagespresse beruht auf technischen Grnden: der Vierfarbendruck beim Rollenoffset ist vorlufig noch qualitativ schlecht und kostenintensiv.

Grnde fr den verstrkten Einsatz des Farbbildes sind:

  • die vorgebliche Realittsnhe, der objektive Schein einer farbigen Fotografie. Das farbige Menbild in der Illustrierten regt den Appetit an wie eine wirkliche Mahlzeit, die gerade aufgetragen wird, kann aber sein visuelles Versprechen nicht im mindesten einlsen (Kasper, Josef ). Die perfekte sthetisierung durch das Farbbild gaukelt dem Rezipienten ein Gebrauchswertversprechen vor, da ihn zur Reaktion zwingt, indem er die perfekt aufgemachte uere Hlle (die sthetische Verpackung durch das Foto) mit dem Wesen der Dinge identifiziert.
  • Medien besitzen eine Doppelcharakter, sie zielen zum einen auf den Rezipienten als Kufer, zum anderen auf den Inserentenmarkt ab. Vor allem die Illustrierten haben mit der Einfhrung des Vierfarbendrucks und des ntigen redaktionellen Umfeldes von diesem Inserentenmarkt profitiert. Das Entscheidende an den Illustrierten ist die Werbung. Das Prinzip der Werbung, der Konsum mittels sthetischer Gebrauchswertversprechen, zersetzt die meisten journalistischen Beitrge und dazu gehren auch Fotografen, sie werden dem sthetischen Schein angeglichen und so zur leicht konsumierbaren journalistischen Ware durch den Zusammenhang in dem sie stehen.
b) Geradliniger Einsatz der Fotografie

Fotos werden sehr geradlinig eingesetzt, entweder um eine Darstellung zu illustrieren oder um einen Gedanken zu demonstrieren der geradlinig oder logisch verlufe (vgl. dazu Kap. 4.2.2.1, Punkt 3).

c) Bildung von Tautologien

Hufig wird Fotografie tautologisch benutzt, d.h. die Fotografie wiederholt das, was mit Worten gesagt wurde. Beide Verwendungsformen (der geradlinige Einsatz der Fotografie und die Bildung von Tautologien) negieren eine spezifische fotografische Symbolik oder Bildwirkung. Die so verwandten Fotos sind zumeist uerst flach und nichtssagend, sie besitzen einzig die Funktion im Kontext der Medien fr den Text den Wahrheitsbeweis anzutreten, indem sie ihn unterstreichen.

4.3 Auswirkung der Stereotypen: Partikularisierung von Erfahrung

Realitt, soziale Wirklichkeit wird durch die ffentliche Fotografie der Gegenwart (Medienfotografie) aus ihrem Bedeutungs- und Sinneszusammenhang gerissen. Indem ein Einzelfoto einer Situation als Sache an und fr sich verwandt wird, wird fr den Rezipienten das in Beziehung setzen , sich erinnern, erschwert oder gar unmglich gemacht. Wirklichkeit wird aufgelst in einzelne, schmackhaft zubereitete Aspekte, d.h. die Medienfotografie trgt hauptschlich Flucht- und Illustrationscharakter und schottet sich gegen den sozialen Alltag ab.

Wenn aber die Fotografie durch die Massenmedien zum allgemeinen Wahrnehmungsprinzip wird, d.h. Realitt zum groen Teil durch sie vermittelt wird oder um es mit Benjamin (1977) zu sagen Die Realitt auf die Massen ausgerichtet wird, dann offenbart sie ihre regressive Qualitt, indem sie die menschlichen Erfahrungen reduziert und zersplittert. Die Verfgungsmacht ber die Vermittlung der einzelnen Aspekte liegt bei der kapitalistischen Bewutseinsindustrie (zentralisierte Medien). Die einzelnen Subjekte der Gesellschaft stehen dem mit ihrer vereinseitigten Erfahrung, als Produkt der Arbeitsteilung, gegenber.

Die aufgrund ihrer Lage mglicherweise vorhandenen Bedrfnisse nach Verbesserung ihrer Situation, d.h. Problematisierung bestehender Verhltnisse, kommen aufgrund des Warencharakters gar nicht erst zum Tragen. Sie sind gezwungen auf die ihnen offerierten Befriedigungsangebote einzugehen Ausrichtung der Massen auf die Realitt. Die Verfgungsmacht ber den Umgang mit Bildern und damit das Lenken von Sehen und Schauen, mithin auf das Bewutsein ber Fotografie, bedeutet also Herrschaft.

Altbekanntes wird von Seiten der Bewutseinsindurstrie (Fotoindustrie und Massenmedien) als wenig Neues ausgegeben, stndige Reize durch Kreativittsversprechen und sthetische Bildproduktion sorgen dafr. Die Angebote von Medien und Industrie kommen dem Bedrfnis der Subjekte nach Neuem und der Vereinfachung gesellschaftlicher Strukturen entgegen. Das regressive Bild von Fotografie, das durch die Bewusstseinsindustrie vermittelt wird, ist vor allem ein Produkt gesellschaftlicher Prozesse, Einstellungsmuster und Normen.

Die Quelle der Massenkultur sind nicht die Massen, sondern die Medienfabriken. Mit der Sensibilitt der Marktforschung spren die nach kulturellen Bedrfnissen, deren Grundlagen sie selbst gelegt haben. Das Ziel ihrer Kulturpolitik ist die Erzeugung von Wnschen, die mit neuen Produkten erfllt werden knnen. Obwohl den Medienfabriken im Grunde egal ist, welche Schallplatten gehrt, welche Bcher gelesen oder was fr Fotos gemacht werden sie knnen sich auf alles einstellen ist die Auswirkung ihrer Politik immer affirmativ. Denn zum einen verspricht die Schaffung von Konsumbedrfnissen mehr Profit als die Schaffung von Problembewutsein und andererseits wird die Industrie nicht ernsthaft beitragen, die Gesellschaft in Frage zu stellen, deren wesentliche Grundlage sie selbst ist. Der gemeinsame Nenner von Sony, Hasselblad, Stern und ZDF ist das Prinzip der Befriedigung (Volksfoto 1981, S. 38).

5. Die private Produzentenseite von Fotografie: Amateure

In jngster Zeit ist das Fotografieren ein ebenso weitverbreiteter Zeitvertreib geworden wie Sex oder Tanzen (Sonntag, Susan 1978, S. 13)

Der einzelne Produzent von Fotos wurde bisher mehr oder weniger indirekt schon mehrfach angesprochen. Die Entwicklung der Fotografie ist undenkbar ohne das Pendant zum Profi der Amateur. Historische und gesellschaftliche Ursachen fr die stndige Expansion der Fotografie wurden bereits in den vorangegangenen Kapiteln erlutert:

1. Historische Ursachen-Entwicklung der Fotografie auf der Folie der brgerlichen Gesellschaft, die technische Reproduzierbarkeit als neue Qualitt von Abbildern der Wirklichkeit; die Fotografie als Medium, das den neuesten Stand der Produktivkrfte und der darin eingehenden gesellschaftlichen Implikationen in einer brgerlichen Industriegesellschaft umfasst.

2. Die Fotoindustrie mit ihrer spezifischenspezifischen Eindruckskonkurrenz und dem damit verbundenen Kreativittsversprechen, die dafr sorgt, da der Fotomarkt stndig expandiert und sowohl Einflu auf den formal-technischen Aspekt, als auch den inhaltlich-sthetischen Aspekt der Ware Fotografie nimmt. Dabei knpft sie offenbar an gesellschaftlichen Bedrfnissen an (Kreativitt, sinnvolle Freizeitgestaltung), deren Ursachen in der zunehmenden Monotonie, Arbeitsteilung und Atomatisierung der Arbeitswelt zu suchen sind.

3. Die Verengung der Wahrnehmung zur fotografischen, hervorgerufen durch die alltgliche Bilderflut in den Massenmedien, die den Blick auf die Realitt verstellt und zumeist nur den schnen Schein aufrechterhlt. Die Massenmedien vermitteln aber nicht nur Ideologie, indem sie Wirklichkeit mittels der Fotografie im Sinne der herrschenden Klasse interpretieren und darstellen, sondern prgen ber den spezifischen Gebrauch des Mediums die Art und Weise, wie das Subjekt Fotografie verwenden soll. Sie liefern also inhaltlich-sthetische Gebrauchsanweisungen, ebenso wie die Fotoindustrie.

Millionen Menschen besitzen eine Kamera, der Aussto von Bildern bewegt sich in Milliardenhhe (s. Tabelle 1 und 2, S. 18), Fotografie ist allgegenwrtig und alltglich, sie ist zur Alltagserscheinung geworden. Es sind aber nicht diese alltglichen Bilder der Amateure, die unser Bewutsein von Fotografie prgen.

Anhand der Amateurfotografie lt sich deutlich darstellen, wie eine massenhaft ausgebte Ttigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhngigkeit gehalten und zur Harmlosigkeit gestutzt wird. Im folgenden werde ich kurz umreien worin diese Ttigkeit besteht und ihre spezifischen Erscheinungsformen aufzeigen, d.h. vorgegebene, internalisierte, formale und technische Normen reflektieren.

5.1 Gesellschaftliche Definition der Amateure

5.1.1 Profis und Amateure

Gemessen an der gesamten Verbreitung der Fotografie machen die professionellen Fotografien einen verschwindend geringen Prozentsatz aus. Profis sind Spezialisten, die die Fotografie zum Zweck der Existenzsicherung betreiben. Sie sind diejenigen, die ihre Fotos auf dem Markt als Waren realisieren mssen.

Professionelle Fotografie ist grob einteilbar in Werbefotografie, Bildjournalismus und Kunstfotografie (eine ausfhrliche Definition des Profis und der Zwnge denen er sich unterwirft interessiert in diesem Zusammenhang nicht). Die Bereiche in denen der Profi arbeitet, seine Spezialisierung, ist bestimmt durch die Bedrfnisse der Medien und Werbung. Ebenso wie in anderen Bereichen der Gesellschaft unterliegt die professionelle Fotografie einer zunehmenden Arbeitsteilung und Rationalisierung (Stichwort: Neue Medien) und lt dem einzelnen Fotografen immer weniger Freiraum fr kreative und innovative Bildproduktion.

Wenn der professionelle Fotograf berleben, d.h. von seinen Bilder leben will, mu er sich den Zwngen der gngigen Bildproduktion in den Medien beugen. Die Stereotypen, die uns in der Massenbildpresse gegenbertreten, sind daher notwendigerweise auch im Bewutsein der professionellen Bildproduzenten verankert. So unterschiedlich teilweise die Benutzung des Mediums Fotografie ist, gemeinsam sind die, sich aus dem Warencharakter ihrer Arbeit ergebenden Zwnge, die sich wiederum in der inhaltlichen Produktion (bspw. was berhaupt als fotografierenswert angesehen wird) und von der formal-technischen Seite (mit welchen Mitteln fotografiert wird: Kameraausrstung, Perspektive etc.) niederschlgt. So gilt fr Tageszeitungen z.B. der Grundsatz, da sog. berzogene Brennweiten gemieden werden sollen, d.h. dem Fotografen wird vorgeschrieben, da er im Bereich von 35 90 mm Brennweite arbeiten mu; alle mit anderen Brennweiten aufgenommen Fotos werden von den Bildredaktionen nicht angenommen.

Der Profi und sein Pendant der Amateur sind Produkte der technischen Revolution der Fotografie (vereinfachte Handhabung, massenweise Reproduzierbarkeit durch Negativverfahren) und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Bedrfnis nach Abbildern (vgl. Kap. 2). Die Weiterentwicklung der fotografischen Apparaturen und der stndige Expansionsdruck der Fotoindustrie hat zur Folge, da die fotografische Technik und die Kenntnis zur Verwendung dieser Technik nicht mehr allein das Privileg der Profis sind. Immer vorausgesetzt der Amateur verfgt ber das ntige Kleingeld, kann er auf dieser Ebene mit dem Profi gleichziehen. Ausnahme ist hier nur die Werbefotografie, die einer extrem arbeitsteiligen und rationalisierten Produktionsform gleicht und einem immensen Apparat an Menschen und Material voraussetzt. Ein Beispiel fr die Annherung von Profis und Amateuren sind die zahlreichen Autodidakten, wie Ernst Salomon, Erich Sander, Henri Cartier- Bresson, die inhaltlich sthetisch mehr bewegt haben als jeder gelernte Fotograf.

Die Unterschiede zwischen Profis und Amateuren liegen also nicht in der Apparatur und der damit verbundenen mglichen Bildqualitt, sondern zum einen im nicht erreichten Zugang zu den kostbaren, fotografierenswerten Objekten (Politiker, Fotomodelle, Krisenschaupltze), die sich gesellschaftlicher Bedeutung erfreuen, zum anderen und das ist der wichtigste Unterschied im Warencharakter der Fotografie, dem Zwang des sich-verkaufen-mssens, dem die Profis ausgesetzt sind.

Befreit davon, Waren produzieren zu mssen wie der Profi, hat aber gerade der Fotoamateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberhrt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu knnen. Was den Berufsfotografen kaum gelingt, nmlich die Nutzbarmachung ihres Mediums zur Befriedigung ihrer vitalen Interessen was ihnen deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem Warencharakter ihrer Arbeit Zwnge ergeben, denen sie sich schwer entziehen knnen, ist fr den Amateur kein Problem, denn er mu von seiner Arbeit nicht leben. Obwohl also die Motive der Amateure, zu ihrem Fotoapparat zu greifen, denen der Profis entgegengesetzt sind, orientieren sie sich stark an ihnen (Volksfoto 1981, S. 6).5.1.2 Differenzierung der Amateure

Die Amateure, bisher immer als homogene Gruppe gesehen, differieren bei genauerem Hinsehen untereinander sehr stark, vor allem hinsichtlich ihrer konomischen und sozialen Lage. Im folgenden sollen einige Tendenzen aufgezeigt werden. Ein Mangel aller bisherigen Beitrge zur Fotografie ist deren fehlenden empirische Verankerung. So sind bis heute keine detaillierten Daten zum Gebrauch von Kameras, Hhe des Einkommens, sozialer Schichtung usw. fr den Bereich der BRD verfgbar. Die einzige mir bekannte empirische Untersuchung zu diesem Thema ist die von Bourdieu u.a. (1981), deren empirische Daten allerdings aus den 60er Jahren stammen und nur fr den franzsischen Raum Gltigkeit besitzen. In der Tendenz jedoch sind sie m.E. auch fr die Verhltnisse der Bundesrepublik zutreffend.

5.1.2.1 Einkommen und Intensitt der Praxis

Wie aus der in Kap. 2 aufgefhrten Tabelle 1 (S. 18) hervorgeht, besteht eine starke Korrelation zwischen steigendem Einkommen, hherer Bildung/Ausbildung und dem Besitz von Kameras in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei finden wie in Arbeiterhaushalten den geringsten Anteil an Kameras (1975 = 31, 2 %) und in den Beamten-/Angestelltenhaushalten mit hherem Einkommen den grten Anteil an Kamerabesitzern (1975 = 97, 4 %). Die Zahl der Besitzer von Fotoapparaten nimmt mit steigendem Einkommen zu.

Tabelle 3

Ausgebte Praxis

Einkommen Praxis in % Gesamt
nein ja
Unter
750 Frs.
54 46 100
750 -
1500 Frs.
44, 5 55, 5 100
ber
1500 Frs
40 60 100

Quelle: Bourdieu u.a. 1981, S. 272


Tabelle 4

Intensitt der Praxis

Einkommen Praxis in % Gesamt
selten saisonal Intensiv
Unter
750 Frs.
19, 5. 56 24, 5 100
750 -
1500 Frs.
13 56 31 100
ber
1500 Frs
9 58, 2 32, 5 100

Quelle: Bourdieu u.a. 1981, S. 272

Ebenso wahrscheinlich ist es, da der Besitz von Kameras eher in eine, wie auch immer aussehende, verstrkte Praxis verbunden mit einer hheren Intensitt mndet. Wobei berraschenderweise die von Bourdieu (1981) ermittelten Prozente fr die mehr saisonale Nutzung von Fotografie in allen Einkommensklassen gleich sind.

Mit jeder Erhhung des Einkommens wachsen die Mglichkeiten, die Photographie zu betreiben, und zwar intensiv zu betreiben, whrend zugleich die Anforderungen an die dazu unentbehrlichen Gerte und die Qualitt der produzierten Bilder zunimmt (Bourdieu u.a. 1981, S. 273).5.1.2.2 Ambitionierte Amateure und Gelegenheitsknipser

In der Tendenz werden durch die Tabellen auch Unterschiede in den Gebrauchsweisen der Fotografie deutlich. berwiegend auch nach bereinstimmenden Aussagen anderer Autoren wird die Fotografie meist selten oder saisonal gebraucht, ist also abhngig von bestehenden Anlssen. Diese Gruppe der Amateure, deren Gre sich um die 80 % Marke bewegt, kann man als Gelegenheitsknipser bezeichnen. Der ambitionierte Amateur, der gemessen an der Masse der Fotografen einen verschwindend geringen Prozentsatz ausmacht, ist derjenige, der sich zumeist um eine versierte Praxis bemht, d.h. hohen technischen und sthetischen Aufwand treibt und sich dadurch von der Masse der Hobbyknipser abheben will.

Der ambitionierte Amateur rekrutiert sich vorwiegend aus der Schicht der kleineren und mittleren Angestellten. Diese sind aufgrund ihrer Lage im Kapitalismus (soziale Deprivation) einem stndigen psychischen Druck ausgesetzt einerseits Aufstiegssehnschte, andererseits Leistungsdruck, so da sie vor allem in ihrer Freizeit mittels kreativer Bettigung nach Kompensation und Befriedigung suchen. Sie sind diejenigen, die sog. professionelle Standards am offensichtlichsten, gemessen an ihrer sthetischen Produktion, internalisiert haben. Der Profi hat fr diese Gruppe Leitbildfunktion. Ihr Forum sind zumeist die zahlreichen Amateurwettbewerbe und Fotozeitschriften, wo man schon mal seinen Namen unter dem eigenen Foto verffentlicht sehen kann.

Betrachtet man die Fotos von Amateurwettbewerben, so unterscheiden sich diese von jenen der Profis kaum mehr in der Bildqualitt, sondern allenfalls im nicht erreichten Zugang zu den kostbaren Objekten Schon von jenem Moment an, wenn der Anatuer in einer Tageszeitung oder in einem Freizeitmagazin nach einem Modell inseriert, spter mir ihm Make-up und Posen bespricht und dann in Ermangelung einer Windmaschine strmische Wetter abwartet, opfert er die Wahrnehmung seiner Wnsche nach Kontakt, Begegnung, Berhrung, Liebe der harten Veredelung von Leitbildern (Kunde, Wolfgang/Wawrzyn Lienhard 1979, S. 21).

Der ambitionierte Amateur, der sich an dem Profi als Leitbild orientiert und sich eine ordentliche Kamera mit verschiedenen Objektiven und mglichst eigener Dunkelkammer kauft, will eben nicht nur dann und wann ein Erinnerungsfoto knipsen. Hinter dem Erwerb der Fotoausrstung steckt die Spekulation, den Zutritt zum Club der Kreativitt mitzukaufen, wobei dann gerade in dieser Gruppe das technisch-handwerkliche berbetont wird der perfekte Fotoapparat wird zum Fetisch.

Wenn im folgenden von den Amateuren die Rede ist. So sind damit die zahlreichen Gelegenheitsknipser und ihre Gebrauchsweisen von Fotografie gemeint. Der Gebrauch den sie von der Fotografie machen, ist von bestimmten Anlssen wie Urlaub, Kinder etc. abhngig. Ihre Methode zu fotografieren ist in den seltensten Fllen bewut an z.B. professionellen Mastben orientiert, d.h. an knstlerischen, sthetischen Leitbildern, sondern eher Ergebnis indirekter Normenvermittlung durch die Massenmedien, die auf Lebensausgestaltung, Lebensqualitt und deren positiver Darstellung (Frohen Herzens genieen) abzielen und Konflikte und Problemsituationen weitgehend ausschliet.

5.2 Die rituellen Gebrauchsweisen der Gelegenheitsknipser

5.2.1 Familienfotografie

Fotografische Praxis hngt sehr deutlich davon ab, ob Kinder in der Familie vorhanden sind oder nicht:

Der Anteil der Besitzer einer oder mehrerer Kameras liegt in den kinderlosen Haushalten bei 38, 5 %, whrend dieser Anteil bei Ehepaaren mit einem Kind 62, % betrgt (Bourdieu u.a. 1981, S. 276).

Meist ist es vor allem die Geburt des ersten Kindes, die das Bedrfnis nach Fotografieren verstrkt. Mit zunehmendem Alter der Kinder lt die Fotografierwut der Eltern (hier: vor allem des Vaters) nach.

In erster Linie bei Arbeitern und Angestellten steht die Familienfotografie (in Farbe) als ritueller Anla im Vordergrund. Verbunden mit den Hhepunkten familiren Daseins, wie Taufe, Hochzeit, Konfirmation, 1. Schultag und Urlaub, ist sie vor allem Ausdruck der Zusammengehrigkeit der Familie. Mithin kann man ihre Funktion als integrative bezeichnen.

Fotografieren wird zu einem Ritus des Familienlebens in eben dem Augenblick, da sich in den industrialisierten Lndern Europas und Amerikas ein radikaler Wandel der Institution Familie anbahnt (Sonntag, Susan 1978, S. 14).

Mit der Auflsung und Atomisierung der Kernfamilie entsteht hier offenbar das Bedrfnis, mittels der Fotografie die verstreut lebenden Familienangehrigen zumindest symbolisch in Fotoalben oder Schublden als Einheit auferstehen zu lassen.

Die Familienfotografie ist im wesentliche Portraitfotografie; damit steht sie im Kontext der historischen rituellen Gebrauchsweisen von Fotografie. Der Anfang des Siegeszuges der Fotografie im 19. Jahrhundert war das Portrait, und das ist zumindest fr die unteren Schichten immer noch die Hauptaufgabe der Fotografie in unserer Gesellschaft. Hierbei ist auch die Art und Weise der Reprsentation von Familienfotos ein Ausdruck gesellschaftlicher Verhltnisse, der Zugehrigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe: Die gesellschaftlich verankerte Trennung zwischen privat und ffentlich wird auch im Umgehen mit Familienfotos deutlich. Auf der einen Seite dingen wir die Fotos der engeren Familie, Kinderfotos, zumeist in Schubladen und Alben, die hufig auch nur der engeren Familie zugnglich sind (Beispiel: Weihnachten, wenn die Reste der Familie versammelt sind, wird dann geguckt, was Fritz doch fr ein schner und anstndig angezogener Junge war mit seinen drei Jahren), auf der anderen Seite die Fotos mit Reprsentationscharakter, wie Hochzeitsbilder, die gerahmt in der guten Stube neben dem Hirsch in l ber dem Sofa hngen.

image

Familienbilder
5.2.2 Urlaubsfotografie

Der zweite gngige Ritus amateurhafter Bildproduktion ist die Urlaubs oder Touristenfotografie. Der rein saisonale Gebrauch der Fotografie, vor allem im Urlaub, geht quer durch alle Schichten der Gesellschaft. Fotografische Praxis und Ferien korrelieren also sehr miteinander, ebenso wie die Verbindung von Familie und Urlaub: Tante Trude vor dem Eifelturm, Klein-Lieschen vor dem schiefen Turm und bei den besserverdienenden Angestellten posiert halt die Freundin/Frau am Strand vor Hawaii vor der glhend-rot untergehenden Sonne. Ferien bilden oft den Hhepunkt des Familienlebens, insofern tritt hier die Fotografie den Beweis an, da man auch tatschlich dagewesen ist.

Ebenso deutlich wird gerade zur Urlaubszeit von Seiten der Werbung die Verbindung zwischen gelungenem Urlaub und der dazu notwendigen Produktion von Bildern. Dabei kommt sie durchaus den Bedrfnissen der fotografierenden Massen entgegen. Begreift man den Urlaub als Kosumakt, fr den man unter Umstnden sehr viel bezahlen mu, ist es nur natrlich, da der einzelne sich durch den Akt des Fotografierens die fremde Welt aneignet und so wenigstens ein greifbares Souvenir mit nach Hause bringen will.

Reisen wird zu einer Strategie, die darauf abzielt, mglichst viele Fotos zu machen. Allein schon das Hantieren mit der Kamera ist beruhigend und mildert das Gefhl der Desorientierung, das durch Reisen oft verschrft wird. Die meisten Touristen fhlen sich gentigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewhnliche zu schieben, das ihnen begegnet. Nicht wissend, wie sie sonst reagieren sollten, machen sie eine Aufnahme. So wird Erfahrung in eine feste Form gebracht: stehen bleiben, knipsen, weitergehen (Sontag, Susan 1978, S. 15).

Damit setzt sich auch hier die im Arbeitsalltag erfolgte Partikularisierung der eigenen Erfahrungen fort und erschpft sich in der Sammlung von interessanten, fotografierenswerten Ereignissen. Die Bedeutung der Urlaubsfotografie erschpft sich allerdings nicht in der rituellen Kombination von interessanten Sehenswrdigkeiten und liebgewordenen Objekten (die Tochter, die Frau), sondern sie hat auch noch ein gesellschaftliches Nachspiel: Nach der Urlaubssaison werden die Labors der Fotoindustrie geradezu berschwemmt mit farbigen Negativen und Dias stereotyper Urlaubssituationen. Die daraus resultierende Bilderflut ist oft das einzige, was den Urlaub berdauert und im grauen Arbeitsalltag Erinnerungen an vergangenes wachhlt, aber auch den Flucht- und Illusionscharakter, gleichsam als Ventil beinhaltet. Das bezieht sich sowohl auf die inhaltlich-sthetische Produktion der Bilder als auch auf die sptere Funktion fr den einzelnen Menschen. Damit ist angedeutet, da gerade Urlaubsbilder, damit sie fr das betroffene Subjekt ihre Funktion erfllen, auf ffentlichkeit angewiesen sind. Zumeist auf die begrenzte ffentlichkeit der sozialen Bezugsgruppen, Vereine oder einer greren Familienversammlung. Nach dem Urlaub beginnen die Diaabende

5.3 Funktion der rituellen Gebrauchsweisen der Fotografie

5.3.1 Biographie

Betrachtet man den Zusammenhang von saisonalem Gebrauch der Fotografie, der Fixierung auf Familie (Portrait) und dem Komplex Urlaub-Familie, so wird klar, da der betroffene Fotograf bewut oder unbewusst seine Kamera als Instrument seiner ganz persnlichen Geschichtsschreibung nutzt. Zwar ist der Proze des Fotografierens zumeist auf eine rein reaktive Anwendung (immer wieder dasselbe zu fotografieren), verbunden mit klischeehafter Bildproduktion reduziert, doch erfllt das Ergebnis immer noch die Funktion eine Chronik, eine Biographie der Familie im weitesten Sinne zu erstellen. Die Sammlung von Fotografien in Alben zumeist geordnet nach dem familienhistorischen Ablauf ist ein weiterer Beleg. Mittels der Fotografie wird eine Portraittechnik der Familie konstruiert, die subjektiv Zeugnis ablegt ber herausragende Ereignisse im Leben der Familie und objektiv Zusammenhang stiftet, der im Alltag/in der Arbeitswelt aufgrund von Arbeitsteilung und Atomisierung nicht mehr erfahren kann.

5.3.2 Erinnerung

Die Kamera und ihr Produkt, das fotografische Abbild. Retten bestimmte Erscheinungsbilder vor der unvermeidlichen berlagerung durch andere Erscheinungsbilder, indem sie sie konserviert. Dabei kann das fotografische Abbild nicht grundstzlich Erinnerung speichern, sondern hchstens Anla von den im Subjekt ablaufenden Erinnerungsprozessen sein, z.B. das Albumbild der lngst verstorbenen Tante erinnert vielleicht an die Zeit damals, der Diaabend vom letzten Urlaub erinnert an die schne Zeit auf Teneriffa und weckt dadurch Sehnschte und Illusionen.

Wobei diese Funktion von Fotos nur sehr eingeschrnkt ist. Erinnerung bezieht sich dabei immer auf den engsten Familienkreis, die engere soziale Gruppe, da die Fotos keinen abstrahierenden, reflektierenden Charakter besitzen, sondern sich inhaltlich und formal den gngigen Stereotypen unterwerfen. Vom sozialwissenschaftlichen Standpunkt aus mgen zwar die Fotoalben anderer Menschen uerst interessant sein, geht man jedoch unreflektiert, unbefangen an die Bilder heran, kann man auer einem stndigen Wechsel der Gesichter nichts bemerken und fhlt sich eher gelangweilt.

Der Erinnerungsproze als Bewutseinsttigkeit wird nicht mehr ntig oder verdrngt, sobald an seine Stelle die Bilderflut als Ersatz der Erinnerung rckt und eher besttigend als problematisierend wirkt. So knnte auch die Funktion des Fotos in den Massenmedien, als stndig wechselndes, jeweiliger politischer Herrschaft ausgesetztes kollektives Erinnerungsvermgen beschrieben werden.

Sieht man allerdings Erinnerungsttigkeit als einen komplexen Vorgang an, der die Mglichkeit des In-Beziehung-Setzens und Reflektierens vergangener Erfahrungen beinhaltet, so mu man sagen, da das Foto hier eher verdrngend wirkt. Denn das, was uns auf dem Foto entgegentritt, sind eher partielle Erinnerungsfetzen, in denen zumeist nur das Schne, Heile der Familie, des Urlaubs erscheint, und so Erinnerungen eben auf die herausragenden Ereignisse und nicht auf den konkreten, realen Alltag fixiert ist. Die Kamera erinnert um zu vergessen.

5.3.3 Beweis

Fotografie als Beweis, als untestreichen der Wahrhaftigkeit z.B. eigener Urlaubserlebnisse ist eine weitere Funktion der Gelegenheitsfotografie. Dabei ist die Funktion, das Foto als Beweis, eine doppelte: zum einen Mittel zur Beglaubigung eigener Erfahrungen, - da man seinen Spa gehabt hat auf der Familienfeier, im Urlaub, da es sich gelohnt hat -, zum anderen als Nachweis gegenber seiner sozialen Bezugsgruppe, den Nachbarn bspw., da man auch dort war.

Sieht man im Urlaub die kamerabehngten und schiewtigen Touristen, so knnte man vermuten, da es tatschlich nur noch um die Anhufung beweisfhiger Abbilder der Realitt geht. Benutze ich aber Fotografie in dem Sinne als Beweismittel, mu ich auch davon ausgehen, da Fotografie grundstzlich beweisfhig ist, d.h. ich mu das Foto als objektives, wahrhaftiges Spiegelbild von Realitt, bewut oder unbewut, betrachten. Tatschlich offenbart gerade die Urlaubsfotografie diesen naiven, direkten Glauben an die Wahrhaftigkeit der Fotografie (ich bin, also fotografiere ich).

5.4 Stereotypenbildung in der amateurhaften Bildproduktion

Fotoapparate und fotografische Abbilder sind Produkte gesellschaftlicher Erfahrungen. Die Erfahrungen der Amateure vergegenstndlichen sich in ihrer Bildproduktion, insofern sind die Fotos der Amateure subjektiver Ausdruck des gesellschaftlichen Bewutseins ber Fotografie (wie Fotografie zu gebrauchen ist formal/technischer Aspekt -, was fotografierenswert ist inhaltlich/sthetischer Aspekt -). Dabei sind die Stereotypen der Amateure nicht nur einfache Widerspiegelung, sondern Produkt eines komplexen Aneingnungsprozesses, der sich in lebensgeschichtlichen Prozessen der Subjektive entwickelt und immer mir den jeweiligen kollektiven Praktiken der sozialen Gruppe zusammenhngt. Das bedeutet aber, da man nicht nur das Produkt (Foto) sehen mu, sondern darber hinaus das Wie, das Zustandekommen innerhalb des sozialen Umfeldes der Subjekte.

Um aber ber diesen Komplex einigermaen sichere Aussagen machen zu knnen, sind empirische Untersuchungen vonnten; etwa nach dem Beispiel con Kracauer (1959), in der er empirische Untersuchungen und Einzelbeobachtungen miteinander verbindet. Den Stereotypen der Amateurfotografie liegen also nicht sthetische Entscheidungen zugrunde, sondern sie sind subjektive Vergegenstndlichungen gesellschaftlicher Einstellungsmuster und Normen, die vor allem durch die Bewutseinsindustrie vermittelt werden, dies erklrt auch die Verbreitung des Mediums und die Uniformitt der Bildmotive.

5.4.1 Inhaltliche Stereotypena) Personalisierung

Personendarstellungen (Kinder, Familie) bestimmen zum grten Teil die Fotografische Praxis der Gelegenheitsknipser. Joachim Kallnich (1977, S. 21 ff) ermittelte in einer empirischen Untersuchung, der 8886 Fotos aus Alben von Arbeiterfamilien zugrunde lagen, da 85, 8 % dieser Fotos Personendarstellungen waren. Mit 63, 6 % lag dabei der Anteil der Gruppenbilder am hchsten. Von den Personendarstellungen wurden ca. 25 % auf Familienfesten/-feiern aufgenommen und ca. 28 % im Urlaub oder in der Freizeit

b) Optimistischer Grundton Heile Welt
In den Aufnahmen der Amateure dominiert die Idylle (Familienidylle, Urlaubsidylle). Oftmals sogar bis hart an die Grenzen des Kitsches, z.B. der tausendfach fotografierte Sonnenuntergang am Meer.

Bilder sollen positiv sein. Schon bei der Aufnahme achtet der Amateur darauf, indem er bspw. die posierenden Familienmitglieder auffordert doch endlich zu lachen. Die Heile-Welt-Funktion von Amateurfotos wird auch dadurch besttigt, da in fast allen Schubksten und Alben kaum Bilder aus der Arbeitswelt zu finden sind. Kallinich (1977, S. 21 f) hat bei seiner Untersuchung einen Anteil von nur 3, 7 % der Fotos zum Thema Arbeitswelt ermittelt. Von diesen 3, 7 % waren wiederum 42, 8 % Fotos von Betriebsfeiern.

c) Fakten- und Abbildrealismus

Der Einsatz der Fotografie durch die Amateure ist ein sehr gradliniger, direkter (Kamera draufhalten und losknipsen): Kopf und Krper mssen ganz auf dem Bild zu sehen sein, angeschnittene Kpfe oder Krper erregen Unwillen. Der Fakten- Abbildrealismus der Amateure verweist auch darauf, da Fotografie eben nur abbildende Funktion hat, insoweit, da die Kamera auch tatschlich abbildet was wahr ist. Der Glaube an die Objektivitt von Fotografie findet hierbei ganz naiv seinen Niederschlag. Die autonom-bildnerische Funktion im Sinne von Gestalten, knstlerischer Aufbereitung der Situation durch die Kamera, ist hier am wenigsten ausgeprgt. So ermittelt Kallnich (1977, S. 21 f) 81, 6 % Fotos, die rein abbildenden Charakter besitzen und den autonom-bildnerischen Anteil mit nur 18, 4 %.

5.4.2 Formale Stereotypen a) Tendenz zum Farbbild

Mit 75 80 % (siehe Tabelle 2, S. 18) ist der Anteil der Farbbilder an der Gesamtproduktion der Amateure am hchsten. Man kann davon ausgehen, da das Farbbild wohl insgesamt den Rezeptionsgewohnheiten der Gelegenheitsknipser entgegenkommt, da das Farbbild eine grere Affinitt zur Realitt besitzt, mithin den Abbildrealismus und den optimistischen Grundton der Amateurfotos untersttzt: whrend das Schwarz-Wei-Foto Realitt eher abstrahiert und diese Abstraktionsfhigkeit (Umsetzen farbiger Realitt in Grautne) schon beim Aufnahmeproze voraussetzt.

b) Der Blick aufs Objekt
Der Amateur rckt das, was er fr fotografierenswert hlt immer in die Mitte des Suchers, des Bildes. Diese Koppelung von Objekt und Bildmittelpunkt macht das fehlende Bewutsein ber die formalen Mglichkeiten der Fotografie deutlich.
c) Der Blick ins Objektiv

Bei fast allen Personenaufnahmen blickt das anvisierte Objekt, zumeist lachend, in die Kamera. Insofern knnte man diese Fotos als gestellte Bilder bezeichnen, da der Fotograf eben auch immer dieses Augenblick des Lachens und in-die-Kamera-Schauens abpasst.

d) Die Totale

Der Amateur bevorzugt die totale Aufnahme, da, was er in den Mittelpunkt seines Interesses rckt, mu entweder ganz auf dem Bild erscheinen oder gar nicht.

Die Stereotypen der Amateurfotografie sind Ausdruck eines insgesamt rckschrittlichen Bewusstseins ber Fotografie. Die formalen und inhaltlichen Mglichkeiten werden nur zu einem sehr geringen Teil genutzt. Die Klischeeproduktion als gesellschaftlicher Ritus zu bestimmten Anlssen (Urlaub, Familienfeier etc.) verhindert geradezu einen reflektierten, bewutseinserweiternden Umgang mit dem Medium Fotografie, indem sie dazu beitrgt, da sich das Subjekt strker gegen den sozialen Alltag abschottet und die Bildproduktion eher Flucht- und Illusionscharakter besitzt. Unterteilt wird hier sehr stark in fotografierenswerte (heile Welt) und nichtfotografierenswerte Objekte (z.B. Arbeitswelt), ohne da aber diese Unterteilung Ausdruck einer bewussten (inhaltlichen) Entscheidung ist, sondern Reproduktion gesellschaftlicher Normen, mithin als reaktiv ( im Gegensatz zu reflexiv) zu bezeichnen ist.

Im Vergleich der Stereotypen von Medienfotografie und Amateurfotografie wird dieser Zusammenhang der beiden in ihrer Funktion unterschiedlicher Gebrauchsweisen deutlich. Zwar verschieben sich die fotografierten Objekte z.B. Personalisierung in der Medienfotografie: Politiker, Wirtschaftsfhrer etc.; in der Amateurfotografie: die Familie in allen Varianten -, doch ist der inhaltlich-sthetische und formale Gebrauch des Mediums Fotografie gleich, so da wie hier feststellen knnen, da die Amateurfotografie, sowohl in ihrem inhaltlich-sthetischen, als auch in ihrem formalen Gebrauch eine Widerspiegelung der Medienfotografie ist. Ebenso gilt die Aussage, da Fotografie und Fotografieren sowohl formal als auch inhaltlich wesentlich massenmedial vermittelt werden. Die gesellschaftliche Wahrnehmungsverengung der Realitt, die durch den eingeschrnkten Gebrauch des Mediums vermittelt wird, findet ihren Ausdruck ebenso in der subjektiven Praxis der Amateure, obwohl die Wahrnehmung im praktisch-produktiven Umgang mit Fotografie prinzipiell erweitert werden knnte.

6. Subjektives Bewutsein und Fotografie

Nachdem nun in den vorangegangenen Kapiteln die tradierten Gebrauchsweisen der Fotografie im Hinblick auf die Bedeutung fr die private Rezeption und Produktion von Fotos analysiert wurde, soll nun das Augenmerk auf die theoretischen Prinzipien fotografischer Wahrnehmung und deren Wirkung auf das subjektive Bewutsein und die Vergegenstndlichung in Form privater Produktion von Fotos (Amateurfotos) gerichtet werden.

6.1 Gesellschaftliches Bewutsein/Subjektives Bewutsein

Das konkrete Sein der Menschen, die materiellen Lebensbedingungen (Stand der Produktivkrfte und Produktionsverhltnisse) ist die primre Grundlage des gesellschaftlichen Bewusstseins einer speziellen Gesellschaftsformation (hier: der brgerlich-kapitalistischen). Gesellschaftliches Bewutsein uert sich in Vorstellungen, Ideen, Auffassungen, Kunst und Fotografie, somit knnen wir gesellschaftliches Bewutsein als den ideellen berbau einer Gesellschaftsformation bezeichnen; wobei gesellschaftliches Bewutsein nicht nur als bloe schematische Widerspiegelung des materiellen Seins zu sehen ist, sondern auch auf das materielle Sein zurckwirkt, etwa in dem Sinne, da gesellschaftliche Entwicklungen ideell vorweggenommen werden knnen.

Gesellschaftliches Bewutsein existiert nicht an sich, d.h. es ist als Ganzes nicht konkret, sondern nur in vergegenstndlichter Form erfahrbar. Eine der mglichen Vergegenstndlichungsformen von gesellschaftlichem Bewutsein ist die Fotografie. In das gesellschaftliche Bewutsein geht aber auch das subjektive Bewutsein einer Vielzahl von Menschen der speziellen Gesellschaftsformation ein; wobei subjektives Bewutsein eine Ausprgung des gesellschaftlichen Bewusstseins auf der Folie der subjektives Erfahrungen (Sozialisation etc.) des einzelnen Menschen ist, und zwar in dem Sinne, da das gesellschaftliche Bewutsein im subjektiven Bewutsein gebrochen wird.

So knnen wir die private Produktion des einzelnen Amateurs als Vergegenstndlichung des subjektiven Bewusstseins auffassen.

Jedes einzelne privatim angefertigte Foto ist also nicht anderes als die subjektive Ausprgung subjektiven Bewusstseins und jenes ist nichts anderes als die Widerspiegelung gesellschaftlichen Bewusstseins. Die in diesem Zusammenhang interessante Frage wie nun das fotografische Abbild bewutseinsmig verarbeitet (erkannt und identifiziert) wird und wie es sich entuert/vergegenstndlicht soll im folgenden analysiert werden.

Die Bewuseinsindustrie (Massenmedien) stellt als Transmitter von Fotografie den grten Teil der dem Menschen zugnglichen fotografischen Abbilder zur Verfgung. Diese fotografische Abbild-Produktion der Massenmedien gelangt ber die Rezeption in das subjektive Bewutsein. Hier mu also zunchst die Frage geklrt werden, wie das Foto wahrgenommen und erkannt wird und was die Wahrnehmung von Fotos prinzipiell von der Wahrnehmung der Wirklichkeit unterscheidet und welche Einflsse diese Wahrnehmung auf das Bewutsein hat.

6.2 Das fotografische Abbild als Zeichensystem im Hinblick auf seine Bedeutung fr subjektives Bewutsein

Die erste Frage, die im Hinblick auf das sinnliche Erkennen von Fotografie zu stellen ist, ist die nach dem besonderen Charakter fotografischer Wahrnehmung. Aus dem bisher Gesagten ber die Bedeutung des Fotos in den Massenmedien fr die menschliche Kommunikation, wurde deutlich, da Fotografie an die Stelle der Wirklichkeit treten kann, das sie Informationen ber diese Wirklichkeit vermittelt und unser Bild von der Wirklichkeit prgt.

Geht man davon aus, da die Wirklichkeit zumindest dem Groteil der Bevlkerung durch Zeichen, insbesondere durch Fotos und Drucke nach Fotos vermittelt wird, dann ist es sicherlich auch richtig, da dieses Bild von Wirklichkeit nicht vllig zu unterdrcken ist, wird man mit nicht vermittelter, sondern mit der dinghaften Wirklichkeit direkt konfrontiert. Es ist anzunehmen, da die Konsequenzen, die wir mglicherweise aus der Wahrnehmung der dinghaften Wirklichkeit ziehen, abhngig sind von der Tatsache, da die Wahrnehmung der unvermittelten Wirklichkeit die Ausnahme ist. Unsere Apperzeptionsinstrumente sind mit geprgt von der Wahrnehmung der Medien, durch die uns im allgemeinen Wirklichkeit vermittelt wird. Das wiederum heit, da unsere Wahrnehmung insbesondere auf abbildhafte Zeichen eingestellt ist (Brg, Hans 1979, S. 12).

Somit kann man hier festellen, da Fotos als Zeichen einer im Prinzip erfahrbaren Wirklichkeit aufzufassen sind oder da sie als ein Modell von Wirklichkeit gesehen werden knnen. Sofern sich der Fotograf bei der Herstellung eines Fotos artifizieller Eingriffe whrend des Vorgangs der Aufnahme und des chemischen Prozesses enthlt, knnen wir diese Zeichen als annhernd objektive Widerspiegelung von Wirklichkeit betrachten; mit der Einschrnkung, da durch das Foto ein dreidimensionaler Raum auf eine flchige Darstellung reduziert wird. Fotos knnen also unter Bercksichtigung der der Fotografie innewohnenden (physikalischen) Gesetzmigkeiten ber Objekte aussagen machen, die wiederum Rckschlsse auf diese Objekte zulassen, da sie im Prinzip identifizierbar sind. Insoweit ist Fotografie ein objektives Erkennungsmittel.

6.2.1 Einschrnkung der Objektivitt des fotografischen Zeichens durch Repertoireprobleme der Fotografie

Unter den Repertoireproblemen (Brg, Hans 1979, S. 70) von Fotografie wird hier die Gesamtheit der mglichen Kompositionen eines fotografischen Abbildes verstanden, die bedingt sind durch die spezifisch fotografische Technik der Aufzeichnung von Realitt, im Hinblick auf den Objektbezug des Fotos. Die Einschrnkung der Objektivitt des fotografischen Zeichens sind bedingt durch:

  1. die Wahl des Standortes des Fotoapparates
  2. die Wahl der Objektive, Brennweiten
  3. die Wahl des Aufnahmezeitpunktes
  4. die Belichtungszeit
  5. die Motivwahl.

Jedes dieser fnf Elemente ist gleichermaen entscheidend fr die Eigenart des fotografischen Zeichens. Es sind dies aber auch Entscheidungen, die jeder Fotograf bei der Aufnahme eines Objektes trifft. So ist die Wahl des Standortes entscheidend, weil hier die Perspektive (Untersicht, Draufsicht, Seitenansicht) gewhlt wird. Jeweils unterschiedliche Brennweiten bedingen eine unterschiedliche rumliche Sichtweise, z.B. mit Hilfe eines Teleobjektives knnen Rume verkrzt werden, whrend das Weitwinkelobjektiv die einzelnen Objekte im Raum weiter auseinanderrckt.

Der Aufnahmezeitpunkt (Tag oder Nacht, aber auch verschiedene Jahreszeiten) lt sich gerade in der Schwarz/Wei-Fotografie nicht mehr so genau lokalisieren, da hier durch bspw. lngere Belichtungszeiten bei Nachtfotos das fotografische Abbild wie ein bei Tag aufgenommenes Bild erscheinen kann.

Die Belichtungszeit ist insofern relevant, als da z.B. ein Objekt verwaschen wirken kann (in der Fotografie und im Film immer ein Zeichen/ein Symbol fr Bewegung), obwohl es im Augenblick der Aufnahme stillsteht; mit der Wahl der Belichtungszeit treffe ich also auch eine wesentliche Entscheidung, wie das fotografische Zeichen auf den Betrachter wirken soll.

Ebenso entscheidend ist die Motivwahl, denn zur Charakterisierung eines Objektes (z.B. Wohnlandschaft) gibt es eine Vielzahl von mglichen Motiven (es ist bspw. mglich die Bewohner zu fotografieren, aber auch die Anordnung der Huser).

Mit dieser kurzen und unvollstndigen Charakterisierung der Mglichkeiten der Umsetzung von Wirklichkeit in das fotografische Zeichensystem wird klar, da es eine Vielzahl von Umsetzungen und damit von fotografischen Zeichen gibt und letztlich das Foto als Ergebnis einer subjektiven Entscheidung des Fotografen und damit der Manipulation von Wirklichkeit ist. So kann der Fotograf z.B.

versuchen, Abbilder der Realitt, die ihm aufgrund vorhandener Objektive mglich sind, so auszuwhlen, da sie im Bewutsein des Rezipienten nicht fr Objekte stehen, auf die sie sich eigentlich beziehen mten. Der vom Autor erreichte Objektbezug im Bewutsein des Rezipienten ist das Ergebnis geschickter Manipulation (Brg, Hans 1979, S. 71).

Beispiel: Um den Eindruck einer Dnenlandschaft zu erwecken, gengt es, im Sandkasten bei bewusster Kontrolle des fotografischen Repertoires, einen Sandhaufen aufzunehmen.

6.2.2 Charakteristika des fotografischen Zeichens

Will man erklren wie Fotos wirken und was fotografische Abbilder im Bewutsein des Betrachters bewirken, ist es mit der Analyse rein fotografischer Prinzipien der Wiedergabe der Wirklichkeit nicht getan. Das fotografische Abbild mu objektiver wissenschaftlicher Betrachtung zugnglich gemacht werden. Eine Mglichkeit ist der Versuch von Hans Brg (1979), der Fotografie und Sprache im Hinblick auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede und damit die Auswirkungen auf das Bewutsein der Rezipienten untersucht.

Wenn wir Fotografie und Sprache als Medien betrachten, die Nachrichten transportieren, knnen wir sagen, da Fotografie ebenso eine Sprache ist, indem sie genauso Inhalte und Meinungen transportiert, wie die wrtliche Sprache.

Adquat zu einem bestimmten Lautsystem in der Sprache existiert auch in der Fotografie ein bestimmtes Zeichensystem (Brg, Hans (1979, S. 106). Dieses Zeichensystem besteht jedoch aus visuellen Formen, die annhernd gleiche Aussageintensitt besitzen wie Wrter. Visuell wahrnehmbare Medien sind auch insofern vergleichbar mit wrtlicher Rede, da sie ebenso Nachrichten zu transportieren in der Lage sind.

Dabei sind folgende Unterschiede zu bercksichtigen:

a) Visuelle Formen, fotografische Abbilder sind nicht diskursiv wie die Sprache, sondern prsentativ. Sie bieten ihre Bestandteile nicht nacheinander, sondern gleichzeitig dar, weshalb die Beziehungen, die eine visuelle Struktur bestimmen, in einem Akt des Sehens erfat werden (Brg, Hans 1979, S. 109).

Da es sich bei visuellen Medien um nicht diskursive Sprachen handelt, lassen sich Inhalte nicht eindeutig abbilden, die zahlreichen Teilaspekte auf dem Foto gehen untereinander wiederum Beziehungen ein, die sich dem Betrachter auf einmal in einem Akt des Sehens darbieten, und so weder Vergangenheit noch Zukunft darstellen knnen.

Andererseits aber sind Bildsprachen in der Lage, Inhalte, wenn auch unscharf, zu erfassen, die der diskursiven Sprache im Prinzip unzugnglich sind, bestenfalls in Annherung metaphorisch vermittelt werden knnen (Brg, Hans 1979, S. 109). b) Die Fotografie ist ein hochkomplexes Zeichensystem (mit grerer Informationsdichte als die Sprache), da dieKomplexitt nicht wie die des Diskurses nach Magabe dessen begrenzt ist, was der Geist von Beginn eines Auffassungsaktes bis zu seinem Ende behalten kann. Natrlich setzt eine solche Beschrnkung beim Diskurs auch der Komplexitt ansprechbarer Ideen Grenzen (Brg, Hans 1979, S. 109).Ein Foto lt gegenber der Sprache vielfache Beziehungen, Teilaspekte, Beziehungen in Beziehungen auf einen Blick zu. Dies wre mittels diskursiver Sprache nicht mglich, da hier ein Gedanke logisch und nacheinander auf dem anderen auf; die Komplexitt des fotografischen Zeichensystems ist fr eine wrtliche Rede zu subtil.
c) Der Eindruck den eine Fotografie beim Betrachter erweckt, ist evtl. tiefer und nachhaltiger als dies bei der Sprache der Fall sein wird, da sie an das Subjekt mit dem berechtigten Anspruch herantritt, wenn schon nicht die Wahrheit, so doch eine Wahrheit eingefangen zu haben.

Daraus folgert der Rezipient, da er das auf einer Fotografie sichtbare verallgemeinern knne. Dabei hlt das Foto nur den im Moment sichtbaren Ablauf einer Situation fest. Ein Foto ist also nie mit der Realitt im allgemeinen, sondern nur mit einem Bruchteil der Realitt vergleichbar.

Man wei zwar stets, da es sich um Ablichtungen ganz spezieller Situationen handelt, man wei aber z.B. als Rezipient von Fotos in Massenmedien, nur in den seltensten Fllen, wann und wo die Realitt, die Objekt des Fotos ist, stattfand. Nicht selten sagt man daher zu Recht, da dies und jenes, was auf einem Foto zu sehen ist, zu jeder Zeit und berall htte stattfinden knnen (Brg, Hans 1979, S. 116).

Um diese Partikularisierung von Realitt aufzufangen, bedarf das Foto der Verallgemeinerung. In eineigen Fllen gelingt dies natrlich auch und zwar umso eher, je begrenzter die Umgebung das fotografierte Objekt ist.

6.2.3 Monosemierung und Verallgemeinerung von fotografischen Zeichen

Die vielfltigen Beziehungen des fotografischen Zeichensystems sind in den meisten Fllen zu komplex, um dem Rezipienten ein eindeutiges Erfassen des Inhalts zu ermglichen. Die vielfltigen Beziehungen, die visuelle Formen und Farben auf dem Abzug miteinander eingehen, fhren zur Mehrdeutigkeit der Bildaussage, whrend in der diskursiven Sprache die Monosemierung (das Vorhandensein nur einer Bedeutung zu einem Wort, z.B. Kugelschreiber) von Inhalten vorherrscht. Die Frage die sich hierbei stellt ist die, inwieweit man bezogen auf die Bildsprache die Mehrdeutigkeit, die Multiinterpretabilitt von Fotoinhalten monosemieren bzw. verallgemeinern kann, um so ein fr alle Subjekte erfassbares und eindeutiges Alphabet der Bildsprache aufzustellen.

Hierzu lt sich die These formulieren, da ein Foto um so objektiver ist, je kleiner die Umgebung des Objektes des fotografischen Zeichens ist, und je kleiner die Umgebung, desto eher tendiert das Foto zur Eindeutigkeit (Monosemierung) und hat demnach den Abbau der Multiinterpretabilitt zur Folge.

Unter der Umgebung eines fotografierten Objektes ist hier das Milieu, das Drumherum indem man das Objekt fotografiert zu verstehen. Mehrere Umgebungen um das eigentlich fotografierte Objekt haben auch verschiedene mgliche Inhalte zur Folge, so da der Rezipient nicht mehr entschlsseln kann, was denn nun eigentlich gemeint war. Diese Mehrdeutigkeit provoziert beim Rezipienten vor allem Verunsicherung, die sich im Form von emotionalen Reaktionen uert, in dem Sinne, da keine Reflektion ber die tatschlichen Inhalte des Fotos stattfindet. Die Mehrdeutigkeit des fotografischen Zeichens begrndet aber auch die Macht, die berlegenheit, durch ihre subtile Wirkung, des Bildes ber rationale Sprache.

Man ist durch das Abbildhafte, das sofort erkennbar und vermeintlich eindeutig interpretierbar ist, das Ganzheitliche, das simultan Wahrnehmbare und nicht zuletzt durch das starke synsthetische Assoziationen auslsende Moment zur Spontanitt zur nicht immer reflektierten Handlungsschaft bereit. Bildsprache ist kennotativer als symbolische Sprache. Es ist klar, da Bildsprache somit ideale Trger zur Beeinflussung von vielen Rezipienten in krzester Zeit sind (Brg, Hans 1979, S.120).

Ein zweiter wichtiger Schritt zum Abbau der Mehrdeutigkeit von Fotos ist die Verallgemeinerung. Ein Foto lichtet immer nur Bruchstcke, Momente und Situationen ab, dadurch wird der Zusammenhang der Fotorealitt und der Wirklichkeit nicht mehr entschlsselbar fr den Rezipienten, man knnte auch sagen beliebig interpretierbar.

Nicht selten sagt man daher zu Recht, da dies und jenes, was auf einem Foto zu sehen ist, berall htte stattfinden knnen (Brg, Hans 1979, S. 116).

Die Folgerung daraus ist, da das Foto im Prinzip immer der Verallgemeinerung bedarf.

Die Aufhebung der Mehrdeutigkeit von Fotos mittels Monosemierung und Verallgemeinerung kann m.E. dadurch erreicht werden, da man das Einzelfoto durch eine Fotoserie, eine Reportage ersetzt und so Zusammenhnge schafft, die der Reflexion zugnglich sind.

Eine andere Mglichkeit ist die gezielte Abstraktion, Reduktion der Umgebungen des Objektes (z.B. das Weglassen von Details), die zu einer eindeutigeres Bildaussage fhrt. Diese zweite Mglichkeit verstt im Grunde genommen gegen das technische Prinzip von Fotografie (vom Beginn der Fotografie bis heute entwickelte sich die fotografische Technik hin zu immer feinkrnigeren Filmen, d.h. zu immer mehr Details).

6.3 Sinnliches Erkennen fotografischer Zeichen

Die Untersuchung von Rezeption/Produktion fotografischer Abbilder mit den in sie eingehenden Bedingungsfaktoren mu letztlich, wenn nach den Ursachen spezifischer Rezeption/Produktion gefragt wird, beim Alltagsbewusstsein der Subjekte ansetzen.

Bewut allgemein ist die ideelle Widerspiegelung des materiellen Seins der Subjekte einer Gesellschaft, wobei hier das Prinzip der Vorrangigkeit des materiellen Seins gegenber dem Bewutsein gilt. Bewutsein ist der

Inbegriff aller Vorstellungen, Ideen und Auffassungen, die sich die Menschen einer historischen Epoche ber wichtige soziale und gesellschaftliche Tatbestnde machen (Wrterbuch der Psychologie 1987, S. 82).

In diesem Zusammenhang wird Bewutsein als

Produkt der Erkenntnisttigkeit, die das Subjekt in Form der Wahrnehmung und des Denkens vollzieht (Bayer, Herbert/Bayer Mechthild 1980, S. 24)

verstanden. Dabei ist Erkenntnisttigkeit, deren Produkte die Erkenntnis sind, eine Form der Abneigung der Umwelt, wobei der Aneignungsprozess als

Grundmechanismus der psychologischen Entwicklung des Menschen (Wrterbuch der Psychologie 1978, S. 29),

dessen Resultate die Erfahrungen sind, zu verstehen ist. Hier wird der Erfahrungsbegriff nicht weiter reflektiert, sondern entsprechend dem Ansatz von Herbert Bayer/Mechthild Beyer (1980) als Erkenntnis begriffen. Entsprechend ist hierbei die sinnliche Erkenntnis eine spezifische Aneignungsttigkeit des Subjektes.

6.3.1 Die Aneignung von Wirklichkeit

Die Beziehung zwischen einer Fotografie und einem Rezipienten ist ein Subjekt-Objekt-Verhltnis. Die Aneignung ist das Vermittlungsglied zwischen dem Subjekt und dem Objekt (Foto) Als Ergebnis des Aneignungsprozesses steht die wahrgenommene Reproduktion von Wirklichkeit im Bewutsein des Betrachters.

Dabei sind die subjektive Abneigung und die Vergegenstndlichung (die Produktion von Fotos) zwei Seiten des gleichen Prozesse (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 77).

Die Aneignung der Bedeutung eines Objektes erfolgt im aktiven Umgang mit diesem. Dabei richtet sich die Art und Weise der Aneignung nach der Zwecksetzung des Gegenstandes. Da der Mensch eine Gebrauchswertbestimmung des Objektes adquate Form der Aneignung entwickeln kann, hngt damit zusammen, da er lernt die Bedeutung eines Objektes zu entschlsseln. Nach Bayer/Bayer (1980, S. 78) geschieht dies zum einen durch die Weitergabe gesellschaftlicher und historischer Erfahrungen im Umgang mit dem betreffenden Objekt, zum anderen durch subjektive Erfahrungen im Umgang mit dem Objekt. Beim Aneignungsproze werden vom Subjekt die historisch gebildeten Fhigkeiten und Funktionen reproduziert. Die visuelle Wahrnehmung ist die adquate Aneignungsform fotografischer Zeichen, wobei es die Eigenart der Wahrnehmung innerhalb von Erkenntnisprozessen ist,

da sie sinnliche Erkenntnis (ist), d.h. sie ist gebunden an eine direkte stoffliche Wechselwirkung zwischen dem Krper des wahrnehmenden Subjektes und dem zu erfassenden realen Gegenstand in der Auenwelt, also seine sinnliche Prsenz (Bayer/Bayer 1980, S. 198) (Wahrnehmung/sinnliche Erkenntnis ist der Oberflche des Objektes verhaftet). 6.3.2 Charakteristika der Wahrnehmung als sinnliche Erkenntnis

Die Bindung der Wahrnehmung als sinnliche Erkenntnis an die Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt, und damit an die sinnliche Prsenz, ist die Grundlage fr die Fhigkeit des Subjektes sich die Umwelt unmittelbarer Erfahrungen anzueignen. Notwendigerweise bedeutet das fr das Subjekt, da sinnliche Erkenntnis immer der Oberflche des realen Gegenstandes verhaftet ist sinnliche Erkenntnis klebt also an der ueren Hlle des Gegenstandes (einer Fotografie), an der Erscheinungsform.

Das Subjekt stellt in der sinnlichen Erkenntnis keine eigenen Zusammenhnge her, sondern spiegelt die ihm gegenberstehenden, von ihm geschaffenen Bedeutungsstrukturen von Objekten (Bayer/Bayer 1980, S. 214)

wider. Ein weiteres Charakteristikum der Wahrnehmung ist die Gebundenheit an Standort und Perspektive des Subjektes. Darunter ist der gesellschaftliche Standort des Subjektes zu verstehen (das Verhaftetsein in Schicht und Klassenstrukturen). Der Standort des Subjektes schafft die jeweils unterschiedlichen Bedingungen fr die Perspektive, fr die Art und Weise des Erkennens von relevanten Bedeutungsstrukturen. In der Konsequenz wird durch diese Gebundenheit der sinnlichen Erkenntnis an Standort und Perspektive die Gesamtheit mglicher Erkenntnis begrenzt, insoweit, da das Subjekt je nach Standort unterschiedliche Ausschnitte der Gesamtheit der objektiven Bedeutungsstrukturen wahrnimmt. Eine weitere Eingrenzung sinnlicher Erkenntnis erfolgt durch die Organisationstendenz von Wahrnehmung.

Die Wahrnehmung in ihren Organisationstendenzen geht auf Eindeutigkeit, Abgehobenheit, Geschlossenheit. Das Ding ist entweder dies oder das (Bayer, Bayer 1980, S. 228; Hervorhebung im Text).

Sinnliche Erkenntnis hat also die Tendenz zur Eindeutigkeit.

6.3.2.1 Begrenzung der menschlichen Wahrnehmung

Die Wahrnehmung von Objekten der Auenwelt ist allein schon durch diese spezielle Form der sinnlichen Erkenntnisse aufgrund ihrer Charakteristika begrenzt.

a) Wahrnehmung ist generell abhngig vom physischen und psychischen Zustand des Subjektes, d.h. die Wahrnehmung von Objekten der Auenwelt findet nur adquat statt, wenn eine optimale Stimulierung gegeben ist. So findet der Bilderblattkonsum (llustrierte) fast immer in der Freizeit, nach Feierabend statt oder in anderen Momenten relativer Entspanntheit und Konzentration.

b) Sie ist weiterhin beschrnkt durch das Verhaftetsein an der Oberflche, der sinnlichen Prsenz des Objektes.

Der Erkenntnisvollzug, sofern er sich unmittelbar auf die Evidenz der Wahrnehmung und Anschauung einlt und grndet, enthlt gerade in der Gebundenheit an das Sichtbare notwendig einen Moment der Blindheit fr objektive Zusammenhnge in ihrer wirklichen Totalitt (Bayer/Bayer 1980, S. 232).

Sinnliche Erkenntnis, die an der Oberflche haften bleibt, fhrt nicht zu einem Gewinn, sondern zu einer Einbue ab Wirklichkeitserkenntnis. Andere Formen des Zusammenhangs, z.B. Erkenntnis ber die eigene Position in der brgerlichen Gesellschaft, Problematisierung etc., als oberflchliche Beziehungen werden fr das Subjekt nicht sichtbar. Sie werden nur dann von Bewutsein aufgenommen, als relevant erkannt und verarbeitet, wenn gesellschaftliche Widersprche durch eigene Ttigkeit zur denkenden Erkenntnis fhren. Oder anders formuliert, wenn die Betroffenheit des Subjektes eine andere Perspektive zur Folge hat, kann auch sinnliche Erkenntnis den Proze der Problematisierung einleiten

c) Die Tendenz der Wahrnehmung zur Geschlossenheit, zur eindeutigen Benennung hat zur Folge, da sich Widersprchlichkeiten niemals urschlich sinnlich erfahren lassen und so auch nicht im Bewutsein als zu lsende Probleme auftauchen

d)Sie (die sinnliche Existenz) nimmt nicht alle sinnlichen Gegebenheiten wahr, sondern ist durch Standort und Perspektive, in der die spezifische Schicht-/Klassen-/Gruppenzugehrigkeit der Subjekte eingeht, an bestimmte Ausschnitte der Lebenswirklichkeit gebunden. Standort und Perspektive und die sich daraus ergebenden unterschiedliche Erfassung von Bedeutungsstrukturen hat demnach subjektive Unterschiede durch differenzierte Aneignung zur Folge.

6.3.3 Das Verhaftetsein sinnlicher Erkenntnis an der Oberflche am Beispiel der Warensthetik der Fotografie

Die Warensthetik der Fotografie (vgl. Kap. 2) in ihren Ausprgungen des technizistischen und professionellen Scheins ist das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse. Der Wert der Ware Fotografie ist von ihrem eigentlichen Gebrauchswert (von ihrer konkreten Eigenschaft) abstrahiert, da Waren in einer kapitalistischen Gesellschaft Produkte von Einzelkapitalisten sind und auf dem Markt gegeneinander getauscht werden mssen. Mastab dieses Tausches unterschiedlicher Produkte ist die gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit.

Das gesellschaftliche Verhltnis, das in dem Wert der Ware Fotografie enthalten ist, verschwindet aber durch das System von Kauf und Verkauf auf dem Markt. Die Waren enthalten ihren fr das Subjekt sichtbaren Wert allein aufgrund ihres sthetischen Gebrauchswertversprechens. Dieser besondere Charakter von Waren im Kapitalismus ist fr den einzelnen Menschen mittels sinnlicher Erkenntnis nicht erfahrbar. Von den Subjekten wird der Wert als eine in den Waren liegende Natureigenschaft wahrgenommen, also eine Eigenschaft, die genauso in den Dinge liegt, ihnen quasi genauso aus sich heraus zukommt wie die Gebrauchswertbeschaffenheiten (Bayer/Bayer 1980, S. 215).

Damit wird das Subjekt die Warensthetik der Fotografie als der Ware Fotografie innewohnenden Gebrauchswertbestimmung ansehen, sofern es von seiner sinnlichen Wahrnehmung ausgeht. Der gesellschaftliche Widerspruch zwischen dem Gebrauchswert und dem Wert kann allein durch sinnliche Erkenntnis nicht erfahren werden. Die Oberflche der Ware Fotografie (professioneller und technizistischer Schein) findet somit Eingang in das Bewutsein der Subjekte.

Die Oberflche wird immer fr die Wirklichkeit selbst gehalten. Fr die Wahrnehmung gibt es daran keinen Zweifel; ein sich nicht in der sichtbaren Bedeutung erschpfendes Wesen ist fr sie nicht denkbar Der Schein wird als die einzige existierende Realitt geradezu immer wieder hergestellt und befestigt (Bayer/Bayer 1980, S. 218).

6.4 Verarbeitungsformen sinnlicher Erfahrung im Bewutsein

Neben der sinnlichen Erkenntnis, die zu unmittelbarer sinnlicher Erfahrung fhrt, ist die denkende Erkenntnisttigkeit eine zweite Form der Erkenntnis. Dabei geht das Denken von den in der Wahrnehmung gewonnenen sinnlichen Daten aus und verarbeitet sie. Dabei ist das Denken eine entwickeltere Form der Erkenntnis, die sich von der sinnlichen Oberflche des Gegenstandes lsen kann. Denken erfolgt in Prozessen symbolischer Reprsentation (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 98), wobei die Sprache das Medium ist, ber das sich Denken vollzieht. Sie ist also Trger des Erkenntnisprozesses fr denkende Erkenntnisttigkeit. Denken vollzieht sich in Begriffen, in Benennungen von Bedeutungsstrukturen.

Denken als Proze geschieht nach dem Muster der Wahrnehmung (vgl. Kap. 6.3.2), d.h. Widersprche werden elemeniert, komplexe Zusammenhnge nach ihrer oberflchlichen Struktur organisiert (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 267), wobei Denken als Erkenntnisttigkeit zu verstehen ist, d.h. es bildet sich nur auf Grundlage und durch die gesellschaftliche Praxis. Diese Praxis ist in der brgerlichen Gesellschaft partikularisiert. Die Folge ist die Zersplitterung menschlicher Erfahrungen, Vereinzelung, die wiederum vermittelt durch sinnliche Erkenntnis im Denken fortgesetzt wird. Komplexe Zusammenhnge sind fr das Subjekt nicht greifbar.

Der Effekt ist Geschlossenheit und Eindeutigkeit im Bewutsein, das lediglich die Oberflche der Objekte reproduziert. Diese Feststellung trifft zu fr das Alltagsbewusstsein. Denken kann als eine entwickelte Form subjektiver Erkenntnis aber mehr leisten, sofern es problemlsendes Denken wird. Wesen des problemlsenden Denkens ist, da es sich Aufgaben stellt, also in Ttigkeit, in bewute Auseinandersetzung um Mittel und Ziele des Subjektes mndet. Aber die Partikularisierung der Wirklichkeit hat zur Folge, da selbst das problemlsende Denken in der brgerlichen Gesellschaft den Einzelproblemen subjektiver Existenz verhaftet bleibt.

Der Unterschied liegt nur darin, da die Stellung des Problems im brgerlichen System kein aktives, schpferisches Tun mehr ist, sondern lediglich ein passives, rezeptives Nachvollziehen, ein bloes Zur-Kenntnis-Nehmen des naturwchsig schon selbst entstandenen Widerspruchs zwischen Ziel und Mittel (Bayer/Bayer 1980, S. 293).

Damit ist Alltagserkenntnis (sinnliche Erkenntnis und denkende Erkenntnis) orientiert an der Oberflche, den Scheinhaftigkeiten der brgerlichen Gesellschaft, eine Form des bloen orientierenden Erkennens (vgl. Bayer/Bayer 1980, S. 318).

6.5 Bedeutung und Funktion des Fotos innerhalb der sinnlichen Erkenntnis

Die Entwicklung der Fotografie hat einen qualitativen Sprung innerhalb sinnlicher Erkenntnisttigkeit zur Folge. Der praktische Aneignungsproze wird verkrzt, indem durch das Foto Abbilder von Wirklichkeit frei verfgbar werden und als Informations- und Nachrichtentrger Wirklichkeit ersetzen knnen. Hier wird das Foto also zum Symbol fr Wirklichkeit.

Im praktischen Aneignungsproze wird so Wahrnehmung zur Wahrnehmung durch das Foto. Sie tritt neben den praktischen Aneignungsproze der unmittelbaren Wirklichkeit. Dabei bleibt aber das Foto immer noch der Wahrnehmung verhaftet und reproduziert lediglich die Oberflche der Objekte der realen Gegenstandswelt. Sie ist im Gegensatz zur Sprache, die Grundlage symbolischer Reprsentation im Denken ist, der Auenwelt verhaftet, quasi als uerliches visuelles Gedchtnis der Subjekte zu bezeichnen.

6.5.1 Fotografie als Objekt

Innerhalb einer konkreten Rezeptionssituation tritt das Foto also anstelle der Wirklichkeit. Es ist damit Objekt sinnlicher Erkenntnis. Dabei ist der Erkenntnisproze nicht nur durch die Begrenzung sinnlicher Wahrnehmung beschrnkt (optimale Stimulierung, verhaftet-sein an der Oberflche, Tendenz zur Eindeutigkeit, Begrenzung durch Standort und Perspektive), sondern ebenso durch die Einschrnkungen des fotografischen Zeichens (nicht-Eindeutigkeit der Inhalte, zu groe Komplexitt, zu viele Teilbeziehungen), die zur Folge haben, da Bedeutungsstrukturen nicht eindeutig erkannt und identifiziert werden, da das Objekt (Foto) nicht eindeutig benannt werden kann und so denkende Erkenntnisttigkeit (als Reflexion; wobei hier das Foto Anla sein knnte) nicht stattfindet.

Diese Reaktion der Subjekte ist vor allem bei Fotografien mit knstlerischem Anspruch zu erwarten. Die alltgliche Rezeption wird aber bestimmt durch die Bilder der Massenpresse, die durch ihre Orientierung am Massengeschmack sich inhaltlich und formal auf niedrigem Niveau bewegen, deren Bedeutungsstrukturen ohne weiteres erfat werden knnen, da sie der Oberflche verhaftet bleiben, mithin geschlossen und eindeutig sind und so auch der Alltagserkenntnis mit ihrer bloen Orientierung an der Oberflche entgegenkommen. Das Ergebnis der sinnlichen Erkenntnisttigkeit der Massenpresse ist die Widerspiegelung der Stereotypen, der tradierten Gebrauchsweisen von Fotografie in Form von Erkenntnissen, Erfahrungen als Resultate dieser Aneignungsprozesse im Bewutsein

6.5.2 Die Vergegenstndlichung subjektiven Bewusstseins

Die Produktion von Fotos wird hier als Vergegenstndlichung subjektiven Bewutseins verstanden. Dabei ist der Aneigungsproze auf die Wirklichkeit gerichtet, die in diesem Fall das Objekt sinnlicher Erkenntnis ist. Die Fotografie kann in diesem Zusammenhang als Erkenntnismittel verstanden werden. Mit Hilfe der Fotografie spiegelt das Subjekt im fotografischen Abbild die objektive Wirklichkeit durch sein Bewutsein hindurch.

Somit ist das Foto immer Ergebnis einer bewuten Entscheidung, einer bewuten Auswahl innerhalb der realen Gegenstandswelt. In die Produktion von Fotos gehen die Alltagserkenntnis (als Summe von Erfahrungen) des Subjektes in Form der Erfahrungen mit dem Medium Fotografie und seine gesellschaftlichen Erfahrungen (der spezielle Standort), d.h. die Gruppenzugehrigkeit, die jeweiligen Normen der Gruppe, mit ein. Der Akt des Fotografierens ist insoweit schon eine hhere Form der Aneignung, da er von der unmittelbaren Wirklichkeit abstrahiert ist.

Mit Hilfe der Fotografie wird sinnliche Erkenntnis der Wirklichkeit vermittelt erfahren. Sie bleibt aber aufgrund der Begrenzung des sinnlichen Erkenntnisprozesses an der Oberflche verhaftet, bloes rezeptives Nachvollziehen von Wirklichkeit.

Festzuhalten ist hier auch, da die Vergegenstndlichung, die Produktion von Fotos, der Akt der Fotografierens nicht nur Widerspiegelung subjektiver Erfahrungen durch die Rezeption der Massenpresse ist, sondern auf Erfahrungen bei der Aneignung von Wirklichkeit durch die Fotografie beruht, d.h. z.B. wenn ich die Erfahrung machen, da ich mit einem Teleobjektiv keine Gebude aufnehmen kann, werde ich, sofern ich die Mglichkeit dazu besitze, das nchste mal auf ein Weitwinkelobjektiv zurckgreifen (insgesamt berhrt dies den Punkt der Repertoireprobleme).

Diese Erfahrung wird, falls ich sie durch verstrkte Praxis besttigt sehe, Eingang in das subjektive Bewutsein finden. Und ebenso wird sie wieder auf die Rezeption von Fotos zurckwirken, indem ich fotografische Zeichen lerne zu entschlsseln, weil ich Kenntnis ber den Entstehungsproze besitze, so da sich hier folgern lt, da ein Zusammenhang besteht zwischen sinnlicher Erkenntnisttigkeit (Wahrnehmung) und der Produktion von Fotos. Dieser Zusammenhang lt sich wahrscheinlich sehr leicht mittels einer empirischen Untersuchung nachweisen.

Das als regressiv bezeichnete Bewutsein ber Fotografie, das sich darin ausdrckt, da weder die Gesamtheit der technischen Mglichkeiten noch die inhaltlichen Mglichkeiten (durch Fotografie Problematisierung von Gesellschaft, der eigenen Existenz) genutzt werden (siehe Stereotypen), ist nicht nur bloe Widerspiegelung der Ideologie der Fotografie, die durch die Bewutseinsindustrie vermittelt wird, sondern ebenso Produkt der sich im Subjekt durch die Begrenzungen sinnlicher Erkenntnis im Laufe des Aneignungsprozesses herstellenden Alltagserkenntnis.

Das Alltagsbewusstsein beruht viel mehr auf einer sich durch die Ttigkeit des Subjektes von selbst herstellenden Erkenntnis, die klebt an der Erscheinungsformen der oberflchlichen Wirklichkeit des bestehenden Gesellschaftssystems. Die durch die Wahrnehmung hergestellten Zusammenhnge sind deshalb auch niemals eine falsche, sondern lediglich eine oberflchliche Kennzeichnung der Wirklichkeit (Bayer/Bayer 1980, S. 234).

Fotografie als Widerspiegelung subjektiven Bewusstseins kann deshalb nie mehr sein als oberflchlich, sofern nicht von Seiten des Subjektes die Form des bloen passiven, orientierenden Erkennens verlassen wird.



7. Ausblick: Mglichkeiten einer fortschrittlichen Verwendung von Fotografie

Am Schlu dieser Arbeit sollen die Mglichkeiten einer fortschrittlichen Nutzung des Mediums Fotografie angeschnitten und diskutiert werden.

Eine Mglichkeit wurde schon in dem Abschnitt Vergegenstndlichung (Kap. 6.5.2) angesprochen: der Zusammenhang von verstrkter Praxis und vermehrter Kenntnis ber die formal-technischen Eigenschaften von Fotografie. Die gesellschaftliche Praxis der engagierten Amateurfotografen zeigt, da diese Tatsache nur begrenzte Auswirkungen hat. Die engagierten Amateure sind diejenigen, die von den privaten Produzenten die grte Praxis besitzen und mit technischen Fragen der Fotografie vertraut sind. Die Produkte ihrer Ttigkeit sind anspruchsvoller, spiegeln jedoch ebenso den sthetischen Schein, die Oberflche der Objekte wider, wie die Fotografie in den Massenmedien. Erfahrungen, die aufgrund der Verwendung von Fotografie als Erkenntnismittel entstanden sind, bleiben also der sinnlichen Erkenntnis verhaftet und haben demnach keine differenzierte, problematisierende Darstellung von Wirklichkeit zur Folge.

Eine weitere Mglichkeit, die sich aus dem Wesen des fotografischen Abbildes ergibt, wre es die Komplexitt des Fotos auszunutzen, denn die Komplexitt des fotografischen Abbildes hat Subtilitt zur Folge, lt vielfache Beziehungen zu und kann Brche aufdecken und so evtl. Anla fr Problematisierung und Reflexion sein. Dem steht aber wiederum die Begrenzung der Wahrnehmung entgegen (Tendenz zur Eindeutigkeit, Geschlossenheit etc.) und damit verbunden die fehlende Kenntnis ber Bedeutung und Aussagewirkung fotografischer Zeichen.

Selbst dann, wenn die Multiinterpretabilitt des Fotos durch Monosemierung und Verallgemeinerung aufgehoben wrde abgesehen davon, da dieser Vorgang Ausdruck eines bewussten Prozesses wre, wre die sinnliche Erkenntnis allein der Oberflche verhaftet und von Seiten der Bewusstseinsindustrie wrde unter gegebenen gesellschaftlichen Verhltnissen keine Vernderung der Inhalte in Richtung auf eine problematisierte Sichtweise von Realitt erfolgen.

Ebenso blind wre es zu vermuten, da konomische Qualitt (die massenhafte Produktion von Fotogerten) irgendwann in soziale Qualitt umschlgt, in einer Art Automatismus, wie das teilweise von der Arbeiterfotografie in der Deutschland vertreten wird, d.h. die massenhafte Verbreitung hochwertiger Fotoapparate und Kenntnis ber den entsprechenden Gebrauch dieser Gerte reichen alleine nicht aus.

Alle o.a. Mglichkeiten sind nach wie vor der Oberflche verhaftet und knnen allein zumeist keine Vernderung des Alltagsbewusstseins bewirken. Wir mssen also die Ebenen des bloen orientierenden Erkennens verlassen. Dazu wurde bereits in dem Abschnitt Verarbeitungsformen sinnlicher Erfahrung im Bewutsein (Kap. 6.4) das problemlsende Denken als eine zweite Form der Erkenntnis angefhrt. Problemlsendes Denken geht ber sinnliches Erkennen hinaus, indem es sich Aufgaben stellt, in bewute Auseinandersetzungen um Mittel und Ziele des Subjektes mndet, ein Vorgang, den man als Reflexion bezeichnen kann.

Auf die Fotografie bezogen bedeutet dies, da

    1. theoretisch erworbene Erkenntnisse ber den gesellschaftlichen Gebrauch der Fotografie in den Medien und die sozialen Mglichkeiten und Funktionen von Fotografie (Weitergabe von Erfahrungen, Sichtbarmachung des alltglichen usw.) im Bewutsein vorhanden sein mssen
    2. Kenntnisse ber die formal-technischen und inhaltlichen Mglichkeiten von Fotografie vorhanden sein mssen insbesondere ber das Alphabet der Semiotik der Fotografie (siehe Zeichencharakter) um der Manipulation durch sthetischen Schein vorzubeugen, ebenso wie Kenntnisse ber das Repertoire fotografischer Sichtweisen von Realitt.

Sinnliche Erkenntnis als Teil von Alltagserkenntnis bleibt nach wie vor der Oberflche verhaftet, kann aber durch den Vergleich mit der theoretischen Erkenntnis berprft und hinterfragt werden. Das Verhltnis von Reflexion und sinnlicher Erkenntnis ist nicht als ein einseitiges zu verstehen (indem vor allem bei der Produktion von Fotos theoretisch erworbene Kenntnisse automatisch eine vernderte Praxis zur Folge haben), sondern mu als Wechselwirkung zwischen der Alltagserkenntnis und der theoretischen Erkenntnis gesehen werden.

Der Erwerb theoretischer Erkenntnis allein ist keine Garantie fr eine reflexive Verwendung von Fotografie und eine differenzierte Sichtweise von Realitt durch das Foto. Zur Reflexion, die im Endeffekt in einen vernderten Umgang mit dem Medium Fotografie fhrt, kann es nur dann kommen, wenn das Subjekt anhand der eigenen Praxis Widersprche erfhrt, die eine Problemlsung im Denken erfordern. In der Fotografie als erkenntnismittel sind diese Widersprche eigentlich immer prsent: So glauben die meisten Menschen, da Fotografie Wirklichkeit ist und gehen mit den entsprechenden Erwartungen an ihre eigene fotografische Praxis heran.

Sptestens dann, wenn die ersten Bilder entwickelt werden, wird z.B. bei der Farbfotografie die von den meisten Amateuren genutzt wird offensichtlich, da Wirklichkeit und Fotorealitt relativ weit auseinanderliegen: ein Farbfoto gibt nie realistische Farben wieder, sondern hat immer einen spezifischen, vom Material abhngigen Farbstich. Rein theoretisch knnte dieser Widerspruch zum Anla der Reflexion, des Nachfragens von Seiten des Subjektes werden. Doch die Problematisierung geht ber die Enttuschung ber das eigene Unvermgen oder das technische Versagen der Kamera nicht hinaus. Der Widerspruch wird nicht als ein der Fotografie innewohnender begriffen.

Die Problemlsung die vom Amateur bevorzugt wird, ist wahrscheinlich die, den Angeboten der Bewusstseinsindustrie nachzugeben und sich anderen Filme und professionellere Gerte zuzulegen. Das verweist darauf, da ein fortschrittliches Bewutsein ber Fotografie, das eine reflexive Praxis und differenzierte Sichtweise der Realitt zur Folge htte, nicht isoliert gesehen werden kann, sondern im Zusammenhang mit einem Alltagsbewusstsein steht, das aufgrund der Partikularisierung der Subjekte in dieser Gesellschaft prinzipiell die subjektive Existenz kaum in Frage stellt, sondern eher auf passives, rezeptives Nachvollziehen angelegt ist.

Der Mangel an Problembewusstsein, an kritischer Reflexion der Stereotypen der Fotografie ist ein gesellschaftliches Problem, somit ein Charakteristikum der brgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Das heit natrlich nicht, da wir auf eine neue Gesellschaft und/oder die Revolution warten mssen, ehe sich die Gebrauchsweisen der Fotografie verndern knnen. Anstze dazu mssen hier und jetzt geschaffen werden. Wenn es gelingt, die gngige Verwendung von Fotografie zu problematisieren, wird dies auch Auswirkungen auf das Alltagsbewusstsein insgesamt haben, insoweit, da eine kritisch-reflexive Verwendung Ausdruck eines insgesamt vernderten Alltagsbewutsein der Subjekte dieser Gesellschaft ist und auf die Aneignungsprozesse insgesamt zurckwirkt.

Fortschrittliches Bewutsein ber Fotografie hngt also immer mit einem insgesamt fortschrittlichen Bewutsein ber Zusammenhnge dieser Gesellschaft zusammen. Dementsprechend mu der Ansatz zur Vernderung als gesellschaftlicher begriffen werden und gesellschaftlich ansetzen, da subjektives Bewutsein immer der eigenen Existenz verhaftet ist. Nur indem die Subjekte ihre eigene Produktion als Widerspiegelung des gesellschaftlichen Bewusstseins ber Fotografie bereifen und ihre Produktion als gesellschaftlich relevant erkannt wird, lt sich eine grundstzliche Vernderung des regressiven Bewusstseins ber Fotografie erreichen und die Fotografie zu einer wirklichen Volkskunst, zu einem die Sinne ffnenden revolutionren Produktionsmittel werden.

7.1 Die reflexive Verwendung von Fotografie

Der Subjektive Gebrauch den die Amateure von der Fotografie machen, ist also nicht nur geprgt von den jeweiligen Kenntnissen ber Fotografie, sondern ebenso durch ein Alltagsbewutsein, das sich ber die subjektive Existenz insgesamt herstellt und damit abhngig von Standort und Perspektive (Schicht- und Gruppenzugehrigkeit) und Ausdruck der Partikularisierung der menschlichen Existenz ist. Der Ansatz fr eine Vernderung msste demnach bei der gesellschaftlichen Existenz der Subjekte ansetzen, um der Partikularisierung entgegenzuwirken.

Ein Projekt, das sich zum Ziel setzt eine reflexive Verwendung des Mediums Fotografie zu initiieren, knnte in folgenden Schritten ablaufen:

    1. Sichtbarmachung der Struktur von Amateurfotos durch Ausstellung und Sammlung von Materialien der Amateurfotografen. Dies knnte bspw. unter dem Stichwort Deutsche Fotografieren zielgerichtet Amateure mit einer bestimmten Themenstellung ansprechen. Entsprechend den Klischees der Amateurfotografie wrden sich die Themen Mein schnster Urlaub, Meine Familie geradezu anbieten.
      Hierbei ist an einen ffentlichen Aufruf durch Plakate, Zeitungen etc. gedacht, wobei gleichzeitig ein fester Raum als Anlaufpunkt fr die Dauer des Projektes vorhanden sein mte.
      Ziel wre hierbei, dem Verhaftetsein in der eigenen Existenz ein gesellschaftliches Bild von Fotografie entgegenzuhalten. Durch die Sichtbarmachung von Strukturen und Gesetzmigkeiten in Form einer Ausstellung ist ein Ansatz fr das Subjekt geschaffen, seinen Gebrauch von Fotografie im Zusammenhang der Produktion anderer Amateure zu sehen und gemeinsam Stereotypen zu entschlsseln.
    2. Problematisierung: Der zweite Schritt wre die Diskussion ber das vorhandene Material. Dabei mten theoretische Vorgaben von Seiten der Initiatoren in Form von Darstellung der Geschichte der Fotografie, Fotografie als Kunst, Bildjournalismus, Gegenberstellung von Medien- und Amateurfotografie etc. gemacht werden. In die Diskussion mte vor allem die an der Ausstellung Beteiligten mit einbezogen werden.
      In diesem Schritt soll die Lslsung von der bloen orientierenden Erkenntnis hin zu einem Begreifen/Erkennen von Zusammenhngen und der Reflexion der eigenen Praxis in Verbindung mit theoretischen Erkenntnissen erfolgen.
    3. Anwendung: Die durch die Problematisierung erworbenen Erkenntnisse mssen durch eigene Praxis berprft werden. Nur dann, wenn Erkenntnisse sich in einer dauerhaften Praxis niederschlagen, wird eine Vernderung des Alltagsbewutseins mglich sein. Dabei ist zu bercksichtigen, da Praxis im Alltag der Subjekte ansetzen mu, mit der spezifischen Lage des Subjektes, seiner Verankerung in einer bestimmten sozialen Gruppe zusammenhngen mu, weil nur so evtl. Widersprche in der Alltagserkenntnis verankert werden.
      Konkret mssen Gruppen von Teilnehmern gebildet werden, die eine gemeinsame Themenstellung, die sich aus der Diskussion entwickelt hat und die mit dem Alltag der Beteiligten zusammenhngt, fotografisch bearbeiten und die Umsetzung des Themas in eine Prsentation der Arbeitsergebnisse planen.
    4. Schaffung von ffentlichkeit: Die Umsetzung der Arbeitsergebnisse in eine neue Ausstellung (evtl. Plakate und andere mgliche Prsentationsformen) htte zum Ziel, die aufgrund von Reflexion gewonnenen Erkenntnisse und die daraus resultierenden neuen Sichtweisen von Realitt durch das Foto, fr die Subjekte selber sichtbar zu machen und im Vergleich zur klischeehaften Praxis einen kritischen Umgang mit dem Medium zu bestrken, aber auch die Ergebnis in die ffentliche Diskussion zu tragen, und so ein Nachdenken ber Fotografie zu initiieren.

Auf dieser Basis knnen wir sagen, da sich eine reflexive Verwendung von Fotografie darin uert, da das Subjekt die in die Fotografie eingehenden Normen hinterfragt und in einzelnen Zusammenhngen und Situationen immer wieder berprft; Ziel und Mittel in Einklang bringt, indem es sich fragt: was fotografiere ich? mit welchen Mitteln und fr wen? was hat es mit mir zu tun?. Am Ende htte dies eine differenzierte Rezeption von Fotografie zur Folge, da die in den Massenmedien reproduzierten Fotos kritisch gelesen wrden, also der Entscheidungsproze und die manipulierte Sichtweise der Medienfotografie gedanklich rekonstruiert werden knnten.

Ebenso wrde sich die Aneignung von Realitt durch Fotografie als Erkenntnismittel dahingehend verndern, da Realitt differenzierter wahrgenommen wrde und Fotografie ihre sinnliche Kraft durch Artikulation von Betroffenheit, Wnschen, Sehnschten und Standpunkten entwickeln knnte.


BILDNACHWEIS

S. 1 Volksfoto 1981: Zeitschrift fr Fotografie Frankfurt/M.

S. 7 Thomas Schmidt 1983

S. 19 Anzeigen aus: Color-Foto 1983, Sept. 83

S. 21 Volksfoto 1981

S. 23 Anzeigen aus: foto-scene 1983, Sept./Okt. 83, Color-Foto 1983, Nov. 83

S. 29 Color-Foto 1983, Nov. 83

S. 38 Volksfoto 1981

S. 43 Volksfoto 1981

S. 57 Volksfoto 1981

S. 60 Volksfoto 1981, Color-Foto 1983

S. 88 Thomas Schmidt 1982

S. 100 Volksfoto 1981


LITERATURVERZEICHNIS

Aktion, Illustration, Feature. Beispiele bildjournalistischer Fotografie, Museum Folkwang (Hrsg.), Essen 1977

sthetik und Kommunikation 1977, Heft 28: Fotografieren, Berlin

Barthes, Roland 1964: Mythen des Alltags, Frankfurt

Bayer, Herbert/Bayer, Mechthild 1980: Erfahrung und Bewutsein, PRV-Hochschulenschriften, Bd. 39, Kln

Benjamin, Walter 1977: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Frankfurt a.M.

Berger, John u.a. 1974: Sehen. Das Bild der Welt in der Bilderwelt, Reinbek bei Hamburg

Berger, John 1981: Das Leben der Bilder. Die Kunst des Sehens, Berlin

Bibliothek der Fotografie, Bd. 5: Photographie als knstlerisches Experiment, Luzern und Frankfurt 1974

Bourdieu/Boltanski/Bastel/Chambordon/Lagneau/Schnapper 1981: Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie, Frankfurt

Brecht, Berthold 1967: Schriften zur Literatur und Kunst I, Gesammelte Werke Bd. 18m Frankfurt a.M.

Brg, Hans 1979: Erweiterung der allgemeinen Semiotik und ihrer Anwendung auf die Life-Photografie, Kastellaum/Hunsrck

Freund, Gisele 1979: Photografie und Gesellschaft, Reinbek bei Hamburg

Gnter, Roland 1977: Photografie als Waffe, Hamburg/Berlin (West)

Haug, W.F. 1976: Kritik der Warensthetik, Frankfurt a.M.

Hernek, Friedrich 1979: Fotografie und Wahrheit, Leipzig

Hneke, Andreas u.a. (Hrsg.) 1981: Medium Fotografie, Leipzig

Kahmen, Volker 1973: Fotografie als Kunst, Tbingen

Kasper, Josef 1979: Belichtung und Wahrheit. Bildreportage von der Gartenlaube bis zum Stern, Frankfurt/New York

Keller/Molderings/Ranke 1977: Beitrge zur Geschichte und sthetik der Fotografie, Lahn-Gieen

Kemp, Wolfgang 1978: Foto-Essays zur Geschichte und Theorie der Fotografie, Mnchen

Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1980: Theorie der Fotografie I (1839-1912), Mnchen

Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1981 Theorie der Fotografie II (1912-1945), Mnchen

Kemp, Wolfgang (Hrsg.) 1983: Theorie der Fotografie III (1945-1980), Mnchen

Kracauer, Siegfried 1959: Die Angestellten. Eine Schrift von Ende der Weimarer Republik

Kracauer, Siegfried 1963: Die Photographie (1927); in: Das Ornament der Masse, Frankfurt

Kramer, Dieter 1975: Freizeit und Reproduktion der Arbeitskraft, Kln

Krauss, Rolf H. 1979: Photographie als Medium. 10 Thesen zur Konventionellen und Konzeptionellen Photographie, Berlin

Kunde, Wolfgang/Wawrzyn (Hrsg.) 1979: Eingreifendes Fotografieren, Berlin (West)

Negt, Oskar/Kluge, Alexander 1977: ffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von brgerlicher und proletarischer ffentlichkeit, Frankfurt a.M.

Prokop, Dieter 1974: Massenkultur und Spontanitt. Zur vernderten Warenform der Massenkommunikation im Sptkapitalismus, Frankfurt a.M.

Prokop, Gert 1978: Die Sprache der Fotografie, Berlin

Sontag, Susan 1978: ber Fotografie, Mnchen/Wien

Volksfoto 1981: Zeitschrift fr Fotografie, Frankfurt a.M.

Waller, Klaus 1982: Fotografie und Zeitung. Die alltgliche Manipulation, Dsseldorf

Wrterbuch der Psychologie, Clau, Gnter (Hrsg.), Leipzig 1978


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Aiptek ISDV 2.4 MPEG4 Video Camcorder
Aiptek ISDV 2.4 MPEG4 Video Camcorder Product Features MPEG4 Video Camcorder For MPEG 4 Works with Secure Digital Memory Card (512mb Built in Storage) 5MP CCD Video Resolution LCD Monitor: 2.4" Image Stabilization Ensures Steady Shots Even at Maximum Zoom Records in MPEG4 Video Clip Format

Electronics:
Company: Aiptek, Inc.
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Aiptek DV5100M 5 MP Pocket Digital Camcorder
Aiptek DV5100M 5 MP Pocket Digital Camcorder The Pocket DV5100 is a multi-functional DV camera designed for capturing previous moments anytime, anywhere. It's equipped with a maximum resolution of 5 Mega-Pixels and a 1.5" color LCD screen. Record video in MPEG-4 VHS quality with sound. On top of all this, it's a voice recorder and web cam. This product comes with 16mb of internal memory, and has a built-in CF card slot that can hold up to 512MB (Card not included). It ships with a tripod/stand, usb cable, av output cable, camera bag, and headset. Requires Microsoft Windows 98SE/ME/2000 /XP;Direct X8.0 or above, 128MB of Ram, 64MB Video Card, 4x Cd-Rom.

Electronics: All-in-one unit that includes a digital still camera, digital camcorder, PC camera, voice recorder, removable hard disk, and compact flash card reader, 1.5-inch TFT color LCD display combines striking realism and an intuitive interface for the best image every time, Sensor has an effective resolution of 2,048 x 1,536 pixels at the three Megapixel level, Runs on two AA alkaline batteries, or via the USB connection when plugged in to your PC, Measures 3.3 x 3.1 x 1.6 inches (W x H x D), and has a built-in CF card slot that allows a maximum of up to 512 MB of external memory
Company: Aiptek, Inc.
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Aiptek HD-1 720P High Definition Camcorder with Built-in 1GB Storage (Silver)
Aiptek HD-1 720P High Definition Camcorder with Built-in 1GB Storage (Silver) The Aiptek HD-1 performs 720P high definition video quality to provide a whole new high quality DV experience. One-touch recording allows you to capture stunning HD (1280 x 720 - 16:9 aspect ratio) video clips at 30 frames per second with advanced H.264 technology and with 4x real time edigital zoon, you can zoom in and out while recording. Capture stunning HD (848 x 480) video at 60 frames per second. Perfect for any sporting events! Playback on your HD-TV, Standard TV, and your PC or Mac! The HD-1 is equipped with 5 mega pixel CMOS sensor, the still image resolution is enhanced to 8 mega pixels. Auto-Focus helps you get the best pictures every time! This camera is ready to record right out of the box with an incredible 1GB of built-in storage space. Your media storage solution, allowing you to easily load your favorite MP3 files and playback the music directly or enjoy stereo quality music via the headset! The 270 degree swivel-reversible 2.4" TFT Color LCD Display swivels allows review and playback of your HD video clips and hi-res pictures in real time. No need to waste time and money replacing batteries, the HD-1 can be conveniently charged via a USB cable when connected to your PC, or use the AC Charger cable included with the camera. Also features an HDTV component out port for display of your high definition video clips and pictures, sharing them with friends and family and a removable hard disk and SD/MMC Card Reader for expansion of storage capacity by an additional 32GB of SD card storage. System Requirements: Microsoft Windows XP SP2, or above, Macintosh 10.4, or above, Pentium 4 - 2.8GHz or above, Direct X 9.0c or above, 1GB of System RAM (2GB Recommended), Video Card with 128MB of RAM (256MB Recommended), 4X Speed CD-ROM or higher, available USB Port, Quick Time 7.0 or above. Package Contents: HD-1 Camcorder, Lithium Ion Battery, AC Charger Cable, USB Cable, Component Cable, AV Cable, Wrist Strap, User's Guide.

Electronics: 720P High Definition Camcorder, 30 frames per second at 720P with advanced H.264 technology, 5MP CMOS sensor and still image resolution of 8 MP, 1GB of Built in storage and SD card slot that takes up to 32GB card, 4x real time digital zoom
Company: Aiptek Inc.
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Aiptek PHD21X 1080p PocketDV H350 HD Camcorder with 5X Optical Zoom
Aiptek PHD21X 1080p PocketDV H350 HD Camcorder with 5X Optical Zoom Aipteks PHD21X offers HD 1080P (1280x720) resolution and a 3" LCD with 270˚ rotation. It supports 720P at 30 fps along with 5X optical zoom and 4X digital zoom. The PHD21X has camcorder/camera/PC cam/Voice recorder functionality as well as HDMI output and the memory slot is SDHC compatibly supporting up to 32GB capacity.

Electronics: HD 1080P (1280x720), 3" LCD with 270 rotation, support 720P at 30 fps, 5X optical zoom; 4X digital zoom, Max. 16M for still image
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $179.99
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Aiptek Lithium Rechargeable Battery for IS DV Digital, GO-HD and A-HD camcorders
Aiptek Lithium Rechargeable Battery for IS DV Digital, GO-HD and A-HD camcorders The Aiptek ZPT-NP60 rechargeable battery pack for Aiptek digital cameras features lithium-ion technology for maximum battery life power. It retains full charge capacity after multiple recharges, making it free from memory effect. It is extremely lightweight and easy to carry. This battery is compatible with the, GO-HD, A-HD, IS-DV and Pocket DV5700. Never be caught without a backup battery to capture those precious moments.

Electronics: For use with Aiptek's IS-DV, GO-HD, A-HD and Pocket DV5700 cameras, Lightweight and easy to carry, Always keep a spare battery so you don't miss that great shot, Lithium-ion technology for maximum battery life power
Company: Aiptek
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Aiptek GO-HD High Definition 720p Camcorder with 3x Optical Zoom
Aiptek GO-HD High Definition 720p Camcorder with 3x Optical Zoom Electronics: Record at 1280 x 720 resolution in 16:9 aspect ratio, Equipped with a 5-megapixel CMOS sensor for shooting high-quality digital photos, Use HDTV component output to display your high-definition video clips and still pictures on your TV, Conveniently recharge your battery via USB, Removable hard disk and SD/MMC card reader
Company: Aiptek, Inc.
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Aiptek DV3100 3.1MP AVI Digital Camcorder
Aiptek DV3100 3.1MP AVI Digital Camcorder This pocket sized Aiptek PocketDV3100 3.1 MP (interpolated) Digital Video Camcorder is a versatile digital video camcorder that allows you to capture stunning video and audio with ease!Take up to 3 megapixel (interpolated, 2.0 CMOS resolution) pictures and use the 2x digital zoom to bring the action closer! Connect the Pocket DV3100 camera to your TV/VCR to playback pictures and movies, upload to the PC, or playback on the built-in 1.5-inch color TFT display.The DV3100 features 16 MB built-in memory and featuresabuilt-in CompactFlash card slot for up to 512 MB of memory. Connect the Pocket DV3100 to a PC and video conference with ease! Its small and portable size makes it a breeze to take with you anywhere!

Electronics: Digital 2x zoom, 4-in-1 multi function design, 1.5" TFT Color LCD Display, Playback photos and video on TV / VCR, Expandable Media- supports up to 512 MB Compact Flash card.
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $89.99
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Aiptek IS-DV2 6 Megapixel MPEG4 Image Stabilization Digital Camcorder
Aiptek IS-DV2 6 Megapixel MPEG4 Image Stabilization Digital Camcorder The IS-DV2 camcorder from Aiptek is built on the success of the IS-DV. It pays close attention to detail, and lets you do the same with a maximum resolution of 6 megapixels and a swivel-reversible 1.8-inch color LCD screen. The image stabilizer and red-eye reduction make it ideal for the first-time videographer. Record videos at 30 frames per second in MPEG-4 Super VHS quality (640x480 VGA resolution) with sound. On top of all this, it's an MP3 player, voice recorder, and web cam. It also comes with 16MB of internal memory, and has a built-in SD card slot that can hold up to 1GB of additional information (card not included). It includes 2 AA batteries, USB cable, A/V output cable, camera bag, and ear bud headphones. OS requirements: Microsoft Windows 98SE/ME/2000 /XP; Direct X8.0 or above, 128MB of RAM, 64MB video card, 4x CD-ROM.

Electronics: 6-in-1 multi-function design: digital still camera, digital camcorder, MP3 player, PC camera, digital voice recorder, and removable hard disk, Max resolution up to 6 megapixels; built-in 3-megapixel CMOS sensor with still image resolution enhancement, High-compression MPEG-4 (Super VHS quality/VGA resolution) for video recording with NTSC/PAL A/V output, Digital video stabilization, red eye reduction, and built-in SD card slot (SD card not included), 4X digital zoom
Company: Aiptek, Inc.
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Battery Charger Kit fits KLIC-5001/KLIC-5000/D-LI2/D-LI7/DB-40/DB-43/NP-30/NP-60/NP-120/DB-L50/LI-20B/L1812A/SLB-1037/SLB-1137 (Home/Wall/Travel & Car Charger)-US for Aiptek camcorder
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Electronics:
Company: CellularFactory
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Aiptek PHD11X 1080p PocketDV HD Camcorder T7, 2.4-inch LCD Screen, Silver
Aiptek PHD11X 1080p PocketDV HD Camcorder T7, 2.4-inch LCD Screen, Silver Aipteks PHD11X offers full HD with 1920x 1080 resolution as well as 2.4" TFT LCD screen with 270 degree rotation. 4X digital zoom(N/A in FULL HD mode) this product supports WVGA 60fps and the card slot is SDHC compatible up to 32GB with HDMI output.

Electronics: Full HD 1920x 1080, 2.4" TFT LCD with 270 degree rotation, Max. support 12M still image, Support WVGA 60fps, 4X digital zoom(N/A in FULL HD mode)
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $119.99
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Aiptek DDD12X 720p 3D/2D HD Camcorder and 3D/2D 8-inch Digital Photo Frame Kit
Aiptek DDD12X 720p 3D/2D HD Camcorder and 3D/2D 8-inch Digital Photo Frame Kit Aipteks DDD12X combo kit includes a 3D photo frame and a 3D HD camcorder. The picture frame is an 8" 3D digital picture frame for displaying 3D video and 3D still image without special glasses. It has an intelligent 3D processor inside, converting 2D to 3D automatically as well as illuminated touch keys. The 3D HD camcorder is an ultra-portable 3D HD camcorder for videos and photos in 3D or 2D allowing you to instantly view 3D images on 2.4" grand 3D display. The combo pack includes software for 3D video conversion and YouTube 3D video upload.

Electronics: 8" 3D digital picture frame for displaying 3D video and 3D still image without special glasses, Ultra-portable 3D HD camcorder for videos and photos in 3D or 2D, Software included for 3D video conversion and YouTube 3D video upload
Company: Aiptek, Inc.
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AIPTEK ActionHD 5.0 MP Digital Video Camera
AIPTEK ActionHD 5.0 MP Digital Video Camera 5.0 megapixel actionHD digital video camera records high-speed action videos at 30 frames per second.

Electronics: 1080p HD camcorder record HD video at 30 frames per sec, Record high-speed action video at 60 frames per sec, Provides 12 x zoom, Features playback on HDTV, PC, Mac , iPod touch, 2-Inch macro zoom
Company: Aiptek Inc.
List Price: $179.99
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Aiptek PenCam Trio HD Camcorder (PCH11X-CS) with 4GB Internal Storage, 4x Digital Zoom - Silver
Electronics:
Company: Aiptek, Inc.
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Amazon Price: $59.99
AC Charging Cable for AIPTEK Charger Built-in Camcorders
AC Charging Cable for AIPTEK Charger Built-in Camcorders Replacement AC Charger works for the following Aiptek cameras: AHD H12 LLS Camcorder (model: VAZ2S); Action-HD (model: Z5X5P); A-HD Pro (model: Z5X5P); Hi-Speed HD (model: V2T6); HD-1 (model: V5T2); P-HD (model: V5T6); GO-HD+ (model: DAM-Z5X2); GO-HD (model: DAM-Z5X); A-HD+ (model: V5VP); A-HD (model: V5V); MZ-DV (model: DZO-Z53); Zoom DV (model: DZO-Z33); Pocket DV5800 w/ Built-in Charger (model: DZO-V58N); MPVR+ CB (model: DZO-V58N); M-DV CB (model: DZO-V58N); PDVR+ CB (model: DZO-V58N);

Electronics:
Company: AIPTEK
List Price:
Amazon Price: $1.89
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Universal Battery Charger with LCD Screen for Aiptek camcorder
Universal Battery Charger with LCD Screen for Aiptek camcorder Universal Battery Charger with LCD Screen for Aiptek camcorder . Universal Battery Charger with LCD Screen for you to use to charge the compatible battery of your digital camera or camcorder.Keep your camera free of the battery charge.FEATURES:LCD Universal charge for all type of Li-ion 3.6V /3.7V/7.2V/7.4V and NI-MH 3.7V/7.4V batteries. Automatically identify battery positive "+" and negative "-". MCU control, LCD display battery charging state. Charge powered by car kit for travel or AC switching power adaptor input 100-240V for in doors use. The spin holder of the battery charger can be maximumly extended to 2" to fit any battery of the size and below. SPECIFICATIONS:Input: 12V 800mAOutput: 4.2V/8.4V 800mAColor: Silver / BlackSize: 11*6.5*3cm (L*W*T)Weight: 7.8 oz(with packaging)INSTRUCTIONS:To charge the Li-ion battery, please adjust the two metal pins of the charger to connect the "+" and the "-" contacts on the Li-ion battery. The LCD display on the charger will light up when the clips are touching the right contacts. Please note that you need wait about 1 minute after adjusting the battery contacts, then the charger will start charge the battery. A green light will be on after fully-charged.IMPORTANT NOTES: This travel charger is made to US Standards,Charger holds a battery no more than 2 inches long. The charger was designed with a digital control and the LCD can show up after 50 seconds when the battery is put in the charger for charging.Please do connect the positive and negative contact correctly. If the contact heads of your battery are concave, we suggest you not to use this charger. For full charge, please keep the battery on the charger charging one more hour after the LCD stops blinking.Compatible With Aiptek A-HD AHD-H12 Extreme 1080P AHD T7 PRO 1080P AHD H23 Pocket DV5700 Pocket DV5800 A-HD PRO 10 Action-HD GVS 1080P HD-1 MPVR MZ-DV AHD Z7 1080p IS-DV2.4 AHD-H5 Extreme 1080P AHD H350 1080P AHD-1 Hi-Speed HD Action-HD HDMI 1080P HD GVS

Electronics:
Company: CellularFactory
List Price:
Amazon Price: $16.79
Aiptek Replacement DXG-595V camcorder charger
Aiptek Replacement DXG-595V camcorder charger NA Camcorder Charger For Aiptek DXG-595V

Electronics:
Company: Batteries
List Price: $16.45
Amazon Price: $6.96
Aiptek MZ-DV-MPEG4 Camcorder with 3x Optical Zoom
Aiptek MZ-DV-MPEG4 Camcorder with 3x Optical Zoom Aiptek's MZ-DV is a hand held multi-functional Media Player/Vieo Recorder which allows you to connect to your TV/VCR/DVD player to record your favorite tv shows, movies, and video clips and play them back on the built-in swivel-reversible 2.4" TFT color LCD screen or on your 60"TV for under $200! Record videos at 30 frames per second in MPEG-4 Super VHS quality (640x480 VGA resolution) with image stabilization and sound and take pictures at up to 8 Mega-Pixels enhanced resolution with a 5 mega pixel CMOS sensor. On top of all this, it's an MP3 player; voice recorder; and SD card reader/Removable Hard Disk. This product comes with 16mb of internal memory and has a built-in SD card slot that can hold up to 4GB (Card not included). It ships with a built-in lithium battery and charger, usb cable, av output cable, camera bag, and ear bud headphones. Also includes Camera Manager, Muvee AutoProducer, ArcSoft Photo Impression, ArcSoft Media Card Companion, and ArcSoft Media Converter software. Requires Microsoft Windows 98SE/ME/2000 /XP;Direct X8.0 or above, 128MB of Ram, 64MB Video Card, 4x Cd-Rom.

Electronics: Record video from your TV, DVD player, VCR, or any device with composite outputs, Built-in 5-megapixel CMOS sensor; still-image resolution enhancement up to 8 megapixels, High-compression MPEG4 video format, Digital video stabilization, red eye reduction, and built-in SD card slot, 3x optical zoom, 8x digital zoom
Company: Aiptek Inc. (2006-11-15)
List Price: $199.99
Amazon Price:
Used Price: $49.99
Bell and Howell DNV900HD 1080P Infrared Night Vision Camcorder With Accessory Kit
Bell and Howell DNV900HD 1080P Infrared Night Vision Camcorder With Accessory Kit Bell and Howell DNV900HD Camcorder

Capture video footage with pristine detail and great clarity with the Bell and Howell DNV900HD Camcorder. The Bell and Howell DNV900HD Camcorder allows you to shoot footage with an incredible 16-megapixel maximum resolution, ensuring spectacular detail and vivid colors in every shot. A large 3" wide LCD touchscreen makes it easy for you to see the subjects and surroundings you're shooting crystal clear. In a dark or dim-light setting, count on the infrared night vision to be your eyes. With 32MB of internal memory, you can start video recording right away, but you can also use the dual SD storage slots for additional memory. The Bell and Howell DNV900HD Camcorder features 1080p Full HD Video Output and 4x Digital Zoom for up-close images with attention to detail. Bring the Bell and Howell DNV900HD Camcorder with you on your next road trip!

This Set Includes
* Bell & Howell Camcorder Full 1080P Infrared HD 16MP Night Vision
* 8 Gigabyte SD Secure Digital Memory Card
* Zeikos Classic Camera Bag Size 6.75X6X5.13IN.
* Memory Card Storage Wallet
* Large LCD Screen Protectors
*Flexible Mini Tripod w/Pocket Clip
* Lens Optics Cleaning Kit
* Home Budget for Dummies

Electronics: 1080p Full HD Video Output., 3" Wide LCD Touchscreen for a clear view., Shoot in the dark with Infrared Night Vision., 4x Digital Zoom gets you up-close and personal shots.
Company: Bell_and_Howell
List Price:
Amazon Price: $178.95
Fidelity FDS-C-Instant Theater Docking Station for Aiptek Camcorders
Fidelity FDS-C-Instant Theater Docking Station for Aiptek Camcorders The Fidelity FDS-C Instant Theater Docking Station from Aiptek is the perfect companion for your Aiptek camcorder. For use especially with the GO-HD, MZ-DV, and MPVR camcorders, but compatible with all Aiptek camcorders, the FDS-C is a great way to play back your movies or listen to your favorite music. This product also comes with a built-in clock radio and fm tuner for you to keep time and listen to your favorite stations. Product specs include two 3 watt speakers with 8 ohms impedence, one 3.5mm audio jack, a stereo silver plated plug, DC-in jack, FM antenna, and FM radio with auto scan and manual FM tuning. You can also use the included audio cable to plug into any MP3 players or Camcorders headphone jack and play back your favorite music. This product is powered by the included AC adapter or 4AA batteries (not included). In the box is the FDS-C Instant Theater, AC Adapter, User's Manual, and Male-to-Male 3.5mm Audio Cable.

Electronics: Instant Theater Docking Station for Aiptek Camcorders, Great for playing back your movies and music, Includes Clock Radio and FM Tuner, Also use with any MP3 player, Works on AC adapter or 4 AA batteries
Company: Aiptek Inc.
List Price: $59.99
Amazon Price: $5.46
Used Price: $7.49
HQRP Battery Charger Replacement for Aiptek for IS DV Digital, GO-HD and A-HD Digital Camcorders (incl. Car and Wall USA / European Plug Adapters) plus HQRP LCD Screen Protector
HQRP Battery Charger Replacement for Aiptek for IS DV Digital, GO-HD and A-HD Digital Camcorders (incl. Car and Wall USA / European Plug Adapters) plus HQRP LCD Screen Protector Compatible with Aiptek for IS DV Digital, GO-HD and A-HD

Electronics: HQRP® Charger plus HQRP® Screen Protector and HQRP® Euro Plug Adapter., Universal Input Voltage for worldwide use: 110V-240V AC (USA+EUR plug) & Cigarette Lighter 12-24V DC, Excellent Charging Function; Short Circuit and Electronic Shock Protection; Slim, portable Design;, Fully Charges the Battery in Approximately 60-120 Minutes; Smart Charging LED Indicator, Not OEM. 100% compatible with Original Battery and Charger Devices; 200 days warranty.
Company: HQRP
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Aiptek A-HD Pro 1080P High Definition Camcorder (Silver)
Aiptek A-HD Pro 1080P High Definition Camcorder (Silver) The Aiptek A-HD Pro performs 1080P high definition video quality to provide a whole new high quality DV experience. One-touch recording allows you to capture stunning HD (1440 x 1080 - 16:9 aspect ratio) video clips at 30 frames per second with advanced H.264 technology and a 3X optical zoom. Capture stunning HD 720P (1280 x 720) video at 60 frames per second. Perfect for any sporting events! Playback on your HD-TV, Standard TV, and your PC or Mac! The A-HD Pro is equipped with 5 mega pixel CMOS sensor, the still image resolution is enhanced to 8 mega pixels. Auto-Focus helps you get the best pictures every time! This camera is ready to record right out of the box with an incredible 128MB of built-in storage space. Your media storage solution, allowing you to easily load your favorite MP3 files and playback the music directly or enjoy stereo quality music via the headset! The 270 degree swivel-reversible 2.4" TFT Color LCD Display swivels allows review and playback of your HD video clips and hi-res pictures in real time. No need to waste time and money replacing batteries, the A-HD Pro can be conveniently charged via a USB cable when connected to your PC, or use the AC Charger cable included with the camera. Also features an HDTV component output port for display your high definition video clips and pictures, sharing them with friends and family and a removable hard disk and SD/MMC Card Reader for expansion of storage capacity by an additional 32GB of SD card storage. System Requirements: Microsoft Windows XP SP2, or above, Macintosh 10.4, or above, Pentium 4 - 2.8GHz or above, Direct X 9.0c or above, 1GB of System RAM (2GB Recommended), Video Card with 128MB of RAM (256MB Recommended), 4X Speed CD-ROM or higher, available USB Port, Quick Time 7.0 or above. Package Contents: A-HD Pro Camcorder, Lithium Ion Battery, AC Charger Cable, USB Cable, Component Cable, AV Cable, Wrist Strap, Compact Alloy Tripod, Remote Control, Camcorder Pouch, User's Guide.

Electronics: 1080P High Definition Video, 30 frames per second at 1080P with advanced H.264 technology, 5MP CMOS sensor and still image resolution of 8 MP, 128MB of Built in storage and SD card slot that takes up to 32GB card, 2-Inch Macro Zoom for close up images
Company: Aiptek Inc.
List Price: $199.99
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Aiptek AHD 1080p HD Flash Memory Camcorder with 5x Optical Zoom and 5MP Digital Still Capture (Silver)
Aiptek AHD 1080p HD Flash Memory Camcorder with 5x Optical Zoom and 5MP Digital Still Capture (Silver) The AHD 1080p 5x I/O is an extremely powerful camcorder. Utilizing excellent optics, a 5x optical zoom and a built-in auto-focus provides the user with a superb platform for capturing all of life's most precious moments. Imagine crisp, crystal clear 1080p High Definition as well as high speed 720p at 60fps HD quality videos at the touch of a button. Capture your memories like never before.

Electronics:
Company: Aiptek Inc.
List Price: $199.99
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Used Price: $139.99
Aiptek A-HD 720P 8MP CMOS High Definition Camcorder (Silver)
Aiptek A-HD 720P 8MP CMOS High Definition Camcorder (Silver) A-HD is your 720p HD Camcorder Digital Camera and Personal Media Player/Recorder! Captures true to life vibrant colors and astonishing High Definition images like you've never seen right in the palm of your hand. The A-HD comprises 720P (1280x720 resolution / 16:9 aspect ratio) at 30 frames per second using advanced H.264 technology. The A-HD also functions as a 5 Mega Pixel digital camera with a CMOS sensor and your Personal Media Player / Recorder allowing you to record from your TV/VCR/DVD Player! Replaying your video and images is a snap as the A-HD offers virtually unlimited choices and compatibility. You can choose to view instantly by playing them back on the A-HD's 270-degree swivel-reversible 2.4" TFT color LCD display or connect the A-HD directly to your HDTV HD Monitor Standard TV or PC. Once in a lifetime moments Family events outings or just goofing around can now be captured replayed and relived in a whole new way. Aiptek makes your life in HD possible. Charger Built-in!

Electronics: 1280 x 720 H.264 Video @ 30fps, Connect to TV/VCR/DVD player to record video, pictures and audio, Charge with USB or AC Adapter without removing battery, 5 MP CMOS sensor with still images up to 8MP, 2x Digital zoom with fixed focus
Company: Aiptek Inc.
List Price: $199.99
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Aiptek EHD21X 1080p HD Camcorder with 23X Optical Zoom, 3-inch LCD Screen, Black
Aiptek EHD21X 1080p HD Camcorder with 23X Optical Zoom, 3-inch LCD Screen, Black Aipteks EHD21X camcorder offers auto focus lens with full HD 1920x 1080 capability. The 3" touch TFT LCD screen with 270 degree rotation with maximum support 16M still image and supports 720P 60fps. Get close to your subject with 23X optical zoom/ 120x Digital Zoom.A built in 128MB/SDHC card slot supports up to 32GB.

Electronics: Auto Focus lens/ Full HD 1920x 1080, 3" Touched TFT LCD with 270 degree rotation, Maximum support 16M still image, Supports 720P 60fps, 23X optical zoom/ 120x Digital Zoom
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $279.99
Amazon Price: $219.99
Used Price: $222.54
Aiptek IS-DV2.4Blue MPEG-4 Digital Camcorder with Video Stabilization (Blue)
Aiptek IS-DV2.4Blue MPEG-4 Digital Camcorder with Video Stabilization (Blue) 5-in-1 Multi-Function Design (DV, DSC, MP3 Player, Voice Recorder, and Mass Storage Device)High Compression MPEG-4 for Recording MoviesDigital Video StabilizationStereo MP3 PlayerSwivel-Reversible 2.4" LCD DisplayFlash Strobe with Red Eye Reduction4GB SD Card Slot Expansion

Electronics: 5-in-1 Multi-Function Design - DV, DSC, MP3 Player, Voice Recorder, and Mass Storage Device, Resolution up to 8 MP - With 5MP CMOS sensor, still image resolution of IS-DV2.4 is enhanced to 8MP, Macro lens enables high quality close ups. Print 4 x 6, 5 x 7, or even 8 x 10 photos!, High Compression MPEG-4 for Recording Movies - Record D1 (720 x 480) video at 30FPS with MPEG-4 Gives professional camcorder frame rate., Advanced Digital Video Stabilization Technology.
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $119.99
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Aiptek DV4500 4MP MPEG4 Pocket Digital Camcorder
Aiptek DV4500 4MP MPEG4 Pocket Digital Camcorder The Pocket DV4500 is a multi-functional DV camera designed for capturing previous moments anytime, anywhere. It's equipped with a maximum resolution of 4 Mega-Pixels and a 1.5" color LCD screen. Record video in MPEG-4 VHS quality with sound. On top of all this, it's a voice recorder,mp3 player, and web cam. This product comes with 16mb of internal memory, and has a built-in SD card slot that can hold up to 512MB (Card not included). It ships with a tripod/stand, usb cable, av output cable, camera bag, and headset. Requires Microsoft Windows 98SE/ME/2000 /XP;Direct X8.0 or above, 128MB of Ram, 64MB Video Card, 4x Cd-Rom.

Electronics: 6 -in-1 Multi-Function Design-Digital Still Camera,Digital Camcorder,MP3 Player,Pc Camera, Digital Voice Recorder, and Removable Hard Disk, Max resolution up to 4 Mega-Pixel;Built in 2 Mega-Pixel CMOS sensor with still image resolution enhancement, High Compression MPEG-4 ( VHS quality)for Video Recording with NTSC/PAL AV Output, Built in SD Card slot (SD card not included), 4X Digital Zoom
Company: Aiptek, Inc.
List Price: $99.99
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Aiptek 3D-HD High Definition 3D Camcorder (Black/White)
Aiptek 3D-HD High Definition 3D Camcorder (Black/White) Aiptek's new 3D-HD camcorder is the most powerful on the market today. Utilizing powerful, dual-HD sensors allows you to capture 3D stills and videos that can be converted with the included software to work with most major brand 3D televisions. The 3D-HD has a built-in 3D LCD for instant playback, or you can connect it to your PC via USB, or to your HDTV via HDMI. It also has the ability to shoot video and capture still photos in standard 2D. Open up a whole new Dimension of video with Aiptek's 3D-HD camcorder.

Electronics: Capture 2D and 3D Videos and Stills, Dual HD CMOS Sensors, Built-In 3D LCD Playback Screen, USB and HDMI, 32GB Expandable SD Card Slot
Company: Aiptek Inc. (2010-08-15)
List Price: $179.00
Amazon Price: $177.00
Aiptek 3D-HD High Definition 3D Camcorder (Black/Black)
Aiptek 3D-HD High Definition 3D Camcorder (Black/Black) Aiptek's new 3D-HD camcorder is the most powerful on the market today. Utilizing powerful, dual-HD sensors allows you to capture 3D stills and videos that can be converted with the included software to work with most major brand 3D televisions. The 3D-HD has a built-in 3D LCD for instant playback, or you can connect it to your PC via USB, or to your HDTV via HDMI. It also has the ability to shoot video and capture still photos in standard 2D. Open up a whole new Dimension of video with Aiptek's 3D-HD camcorder.

Electronics: Capture 2D and 3D Videos and Stills, Dual HD CMOS Sensors, Built-In 3D LCD Playback Screen, USB and HDMI, 32GB Expandable SD Card Slot
Company: Aiptek Inc.
List Price: $179.00
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Aiptek Lithium Rechargeable Battery for MPVR Digital Media Recorder/Player/ Camera/Camcorder
Aiptek Lithium Rechargeable Battery for MPVR Digital Media Recorder/Player/ Camera/Camcorder The Aiptek ZPT-NKA rechargeable battery pack for use with the Aiptek MPVR features lithium-ion technology for maximum battery life power. It retains full charge capacity after multiple recharges, making it free from memory effect. It is extremely lightweight and easy to carry. Never be caught without a backup battery to capture those precious moments or playback your favorite tv show.

Electronics: For use with Aiptek's MPVR Digital Media Recorder/Player, Lightweight and easy to carry, Always keep a spare battery so you don't miss that great shot, Lithium-ion technology for maximum battery life power
Company: Aiptek
List Price: $19.99
Amazon Price: $9.99
Aiptek A-HD+ 1080P High Definition Camcorder (Silver)
Aiptek A-HD+ 1080P High Definition Camcorder (Silver) With the new A-HD+ from Aiptek you get all the great features of the A-HD but now you also get 1080P recording! One-touch recording allows you to capture stunning 1080 P HD video at 30 frames per second with H.264 technology. You can also record 780P HD video at 60 frames per second. Connect to your TV/VCR/DVD player to record video clips, pictures, and audio recordings, and playback directly on the built-in 2.4" color LCD. Take still pictures up to 8MP. 4X Digital Zoom with Fixed Focus and Night Shot. LCD swivels 270° for unlimited video and photo taking. Conveniently charge your new A-HD+ via the USB cable when connected to your PC or use the AC Charger cable included with no need to remove the battery from camera. Connect to your HDTV Component inputs to display your high definition video clips and pictures. Use up to 32GB of SDHC card storage to record longer video before having to upload to your PC. Ships with: Camcorder, Lithium Ion Battery, AC Charger, USB Cable, Component and AV Cable, Lens Cap, Wrist Strap, and User's Guide.

Electronics: Captures video at up to HD 1080P; records directly from TV, DVD player or VCR, Accepts up to 32 GB SDHC memory cards for extended recording, 2.4-inch color LCD screen with 270-degree swiveling ability, Backed by one-year warranty, Compact high-definition camcorder with 128MB built-in memory
Company: Aiptek Inc.
List Price: $179.99
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Foto Kamera News


AIPTEK INTERNATI April Sales Fall 49.14% (Table) : 6225 TT - Bloomberg


AIPTEK INTERNATI April Sales Fall 49.14% (Table) : 6225 TT
Bloomberg
AIPTEK INTERNATI said unconsolidated sales in April fell 49.14% to NT$18219000 from NT$35825000, according to a statement filed to the Taiwan Stock Exchange. (Figures are in thousands of New Taiwan dollars) ...

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USITC INSTITUTES SECTION 337 INVESTIGATION ON CERTAIN ELECTRONIC DEVICES ... - Interconnectionworld


USITC INSTITUTES SECTION 337 INVESTIGATION ON CERTAIN ELECTRONIC DEVICES ...
Interconnectionworld
AIPTEK International, Inc., of Taiwan; - Aluratek, Inc., of Tustin, CA; - Archos SA of France; - Archos, Inc., of Greenwood Village, CO; - Bluestar Alliance LLC of New York, NY; - Centon Electronics, Inc., of Aliso Viejo, CA; - Coby Electronics ...

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Aiptek SportyCam Z3 - Action-Kamera für Outdoor-Fans - Colorfoto.de


Aiptek SportyCam Z3 - Action-Kamera für Outdoor-Fans
Colorfoto.de
Wer bei sportlicher Betätigung gern das eine oder andere Filmchen dreht, für den hat Aiptek nun eine neue Allwetter-Cam für Außeneinsätze im Programm. Die passend betitelte SportyCam Z3 kann Fotos mit 5 Megapixel im JPEG-Format schießen (8 Megapixel ...
Aiptek SportyCam Z3: Outdoor-Cam für Full-HD-VideoVideoaktiv Digital

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Aiptek MyNote digitalizza i contenuti su tablet e smartphone - PuntoCellulare.it


PuntoCellulare.it

Aiptek MyNote digitalizza i contenuti su tablet e smartphone
PuntoCellulare.it
Grazie alla linea di prodotti MyNote di Aiptek, commercializzata in Italia da Realtek, è possibile digitalizzare su tablet e smartphone ogni appunto di lavoro, nota o disegno e archiviarlo in maniera semplice e veloce. Grazie all'utilizzo delle ...
Aiptek MyNote e la magia del digitaleinformazione.it (Comunicati Stampa)

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Realtek porta in Italia le nuove tavolette grafiche e le penne digitali Aiptek ... - Assodigitale


Realtek porta in Italia le nuove tavolette grafiche e le penne digitali Aiptek ...
Assodigitale
La linea di prodotti MyNote di Aiptek, commercializzata in Italia da Realtek, è nata per digitalizzare ogni appunto di lavoro, nota o disegno e archiviarlo in maniera semplice e veloce, grazie all'utilizzo delle migliori tecnologie disponibili per il ...

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Aiptek SportyCam Z3: Outdoor-Kamera mit Full-HD - Chip Online


Chip Online

Aiptek SportyCam Z3: Outdoor-Kamera mit Full-HD
Chip Online
Aiptek stellt mit der SportyCam Z3 einen Outdoor-Camcorder vor. Die mit 85 x 50 x 23 Millimeter kompakte Kamera für draußen nimmt Videos in Full-HD-Qualität auf. 30 Bilder pro Sekunde soll die SportyCam Z3 bei einer Videoaufnahme in 1080p schaffen, ...
Action Cams sollen auf der Photokina der Renner werdenIT-Business

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Appunti sempre digitalizzati - Gizmodo Italia


Gizmodo Italia

Appunti sempre digitalizzati
Gizmodo Italia
MyNote di Aiptek è una linea di prodotti per digitalizzare gli appunti. In particolare la penna Aiptek MyNote BT assieme al proprio ricevitore permette di digitalizzare tutto quello che scriviamo e disegniamo. Basta posizionare il ricevitore in cima al ...

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